Eine Uni - ein Buch

Die Universität Stuttgart liest gemeinsam „Die Physiker“

Über das Projekt

Die Universität Stuttgart liest gemeinsam ein Buch, ein ganzes Semester lang. „Was für eine verrückte Idee! Nicht irgendein Buch, sondern Die Physiker von Friedrich Dürrenmatt. Ein sorgfältig ausgewähltes Buch, das zur Vision der Universität Stuttgart passt, die lautet ,Intelligente Systeme für eine zukunftsfähige Gesellschaft‘“ erklärt Dr. Simone Rehm, Prorektorin für Informationstechnologie.

Bücherecke
Damit möglichst viele Studierende und Mitarbeiter der Universität ein Exemplar von „Die Physiker“ zum Lesen in die Hände bekommen, wurden in den Foyers der Universitätsbibliothek auf dem Campus Stadtmitte und dem Campus Vaihingen die Dürrenmatt-Ecken eingerichtet. Hier stehen Exemplare des Buches zum freien Ausleihen bereit.

Das Stück Die Physiker von Friedrich Dürrenmatt stellt die Frage nach der Ethik in der Wissenschaft und geht von der These aus, dass einmal Entdecktes nicht rückgängig gemacht werden kann. Im Hinblick auf die aktuelle Debatte um Künstliche Intelligenz ist die Auseinandersetzung mit dieser These und den Konsequenzen, die daraus gezogen werden können, wichtiger denn je. „Auch vor dem Hintergrund, dass sich die Universität Stuttgart der Aufgabe verschrieben hat, intelligente Systeme für eine zukunftsfähige Gesellschaft zu erforschen, wollen wir mit der gemeinschaftlichen Lektüre dieses Buches alle an der Universität zu dieser Auseinandersetzung einladen und als Universität zur ethischen Dimension unserer Forschung aktiv Stellung beziehen. Über alle Einrichtungen und Fakultäten hinweg möchten wir durch das Lesen des Buchs und das Angebot verschiedener Begleitformate den Dialog zwischen Forschenden, Studierenden und den Beschäftigten aus Technik und Verwaltung anregen“, so Rehm.

Veranstaltungstermine

Rückblick Wintersemester 2019/20

Das Steinfußtheater, die studentische Theatergruppe der Universität Stuttgart, nahm in Anlehnung an „Eine Uni – ein Buch“ das Theaterstück „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt in ihr Programm auf und führte es Ende Februar 2020 mehrfach an der Universität Stuttgart auf.

Artikel über die Veranstaltung

Das Projekt zeigte in Kooperation mit dem Unifilm Stuttgart e.V. den vom Süddeutschen Rundfunk produzierten Fernsehfilm „Die Physiker“ aus dem Jahr 1964. Der Film wurde in Stuttgart gedreht und beinhaltet historische Bilder der Stuttgarter Innenstadt. 

Beim Bürgerdialog standen die Themen „Digitale Überwachung“ und „Arbeit in der digitalisierten Welt“ im Mittelpunkt. Die Zukunftsreporter Alexander Mäder und Rainer Kurlemann führten durch das von Debatten im britischen Unterhaus inspirierte Diskussionsformat, bei dem die Teilnehmer sich passend zur eigenen Meinung auf die Ja- oder Nein-Seite setzen mussten.

Artikel über die Veranstaltung

Lesung der Graphic Novel „Die Physiker“ mit Illustrator Benjamin Gottwald und anschließender Diskussion mit Professor Torsten Hoffmann.

Artikel über die Veranstaltung

Die Studienkommission der Fakultät 1 der Universität Stuttgart ließ sich im Wintersemester 2019/20 vom Projekt „Eine Uni – ein Buch“ inspirieren und wählte für die Ringvorlesung des Masterstudiengangs Architektur und Stadtplanung das Thema „Architektur und Verantwortung“. Am 30. Oktober 2019 sprach Prof. Alexandra Staub von den Penn State University vor den Studierenden der Architektur über das Thema „Architektur und Ethik“. Der Vortrag wurde vom Projekt „Eine Uni – ein Buch“ mitorganisiert. Staub übertrug die Thesen Dürrenmatts auf die gesellschaftliche Verantwortung der Architekten, und sprach über Negativbeispiele wie Großbauprojekte in Katar.

Rückblick Sommersemester 2019

Dr. Alexandra Tischel vom Institut für Literaturwissenschaft der Universität Stuttgart moderierte eine offene Diskussionsrunde über „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt mit interessierten Mitgliedern der Universität Stuttgart.  Themen waren unter anderem die gesellschaftliche Verantwortung der Wissenschaft und die Rolle der Universität Stuttgart.

In Kooperation mit dem Literaturhaus Stuttgart und dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach wurde die Lange Nacht der KI durchgeführt. Zur Diskussion stand die Rolle der KI in der Kunst und der Unterschied zwischen künstlicher und künstlerischer Intelligenz. Zu den Gästen der Langen Nacht gehörten die Literaturwissenschaftlerin und Direktorin des Deutschen Literaturarchivs Marbach, Sandra Richter, die Philosophin und Gastprofessorin an der Humboldt-Universität zu Berlin,Eva Weber-Guskar, Dieter Mersch, der das Institut für Theorie an der Züricher Hochschule der Künste leitet, Hannes Bajohr vom Zentrum für Literatur- und Kulturforschung, Michael Sedlmair, Jun.-Prof. für Virtual und Augmented Reality an der Universität Stuttgart, sowie Emma Braslavsy, deren jüngster Roman ins Herz des Themas blickt. Fritz Kuhn, der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart, hielt ein Grußwort.

Die Komödie "Die Physiker" von Friedrich Dürrenmatt wird momentan im Schauspiel Stuttgart gespielt. Im Rahmen des Projekts "Eine Uni - ein Buch" haben Studierende und Beschäftigte der Universität Stuttgart die Vorstellung am 02.07.19 besucht. Im Anschluss an die Vorstellung fand im Foyer des Schauspielhauses eine Podiumsdiskussion mit dem Titel "Die Physiker heute - Verantwortung der Wissenschaft" statt. Prof. Sibylle Baumbach vom Institut für Literaturwissenschaft der Universität Stuttgart, Dr. Andreas Kaminski vom Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart und Jordis Emilia Herrmann von der studentischen Diskursgruppe reason[Ing.] übertrugen die Thesen Dürrenmatts auf die heutige Zeit und zogen Bezug zu aktuellen Themen wie dem Klimawandel und der Forschung an künstlicher Intelligenz. 

Im Rahmen des ersten Stuttgarter Wissenschaftsfestivals "Smart und Clever" fand im weißen Saal des neuen Schlosses eine Podiumsdiskussion rund um die Fragen der Künstlichen Intelligenz statt. Die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Theresia Bauer tauschte sich mit Prof. Cordula Kropp und Prof. Michael Resch von der Universität Stuttgart sowie Prof. Philipp Hennig von der Universität Tübingen über Forschungsförderung, die Verantwortung der Wissenschaft und KI-Forschung in Baden-Württemberg aus. 

Artikel über die Veranstaltung

Präsentation des Projektes „Eine Uni – ein Buch“ auf dem Tag der Wissenschaft der Universität Stuttgart, um auf bevorstehende Veranstaltungen hinzuweisen und das grundlegende Konzept des Projektes zu präsentieren. Auch für Schülerinnen und Schüler wurde ein Programm entwickelt, um die Thesen Dürrenmatts spielerisch zu vermitteln. 

Die studentische Diskursgruppe „reason[Ing.] – Ethik in den Ingenieurswissenschaften“ organsiert wöchentlich stattfindende Diskursrunden, die für alle Mitglieder der Universität Stuttgart offen sind, die über ethische Fragestellungen diskutieren möchten, die Schnittstellen mit Themen der Ingenieurwissenschaften aufweisen. Im Rahmen des Projekts „Eine Uni – ein Buch“ wurde in Kooperation mit der Hochschulgruppe eine Vortragsreihe rund um den Themenkomplex der ethischen Verantwortung in der Wissenschaft organisiert. Die Vorträge fanden allesamt in den Räumen den Universität Stuttgart statt und erreichten ein breites Publikum aus Studierenden und interessierten Bürgern. Folgende Vorträge fanden statt:

  • 24.06.2019: Prof. Dr.-Ing. Sabine Klinker (Universität Stuttgart) – „Planetary Protection für interplanetare Missionen“
  • 01.07.2019: Martin Priebe – „Gut gemeint – gut gemacht? Die Verantwortung der Technik im Fokus der Ethik“
  • 08.07.2019: Prof. Dr. Michael Eisermann (Universität Stuttgart) – „Spieltheorie und Ethik – Wie Mathematik menschliches Verhalten vorhersagt“
  • 15.07.2019: Nele Heise – „The good, the bad, and the machine – Aktuelle Diskurse um ethische Herausforderungen KI-basierter Technologien“
  • 02.12.2020: Prof. Dr. Michael Eisermann (Universität Stuttgart) – „Spieltheorie und Ethik II – Können zukünftige Generationen ihre Rechte schon heute einklagen?“
  • 09.12.2020: Frank Slijper  – „Lethal Autonomous Weapons and Ethics“
  • 20.01.2020: Dr. Ulrike Pompe-Alama (Universität Stuttgart) – „Dieselgate – oder was man in der Diskussion über Technik alles falsch machen kann“
  • 27.01.2020: Mario Kehrer (RWTH Aachen) – „Ingenieure retten die Erde – Verantwortung in den Ingenieurswissenschaften“

Auf Einladung des Stifterverbands, der Klaus Tschira Stiftung und der Wochenzeitung "Die Zeit" sind Dr. Simone Rehm, Prorektorin für Informationstechnologie (CIO), und Dominik Rudolph, Wissenschaftlicher Koordinator am Internationalen Zentrum für Kultur- und Technikforschung, am 17. Juni nach Berlin gereist, um die Förderurkunde für das Projekt "Eine Uni - ein Buch" entgegenzunehmen. Die Universität Stuttgart wurde mit ihrem Vorhaben, Friedrich Dürrenmatts "Die Physiker" zu lesen und über die Verantwortung der Wissenschaft zu diskutieren, als eine von zehn Hochschulen ausgewählt und von der Fachjury für ihre vielfältigen Veranstaltungsideen gelobt. 

In Kooperation mit den Innenstadtkinos Stuttgart und dem Rise and Shine Cinema Filmverleih wurde am 14. Mai der Dokumentarfilm "Hi, AI" der deutschen Filmemacherin Isa Willinger einmalig in Stuttgart vorgeführt. Der Film zeigt durch mehrere Fallbeispiele, wie Menschen schon heute mit Künstlicher Intelligenz zusammen leben und überlässt es dem Zuschauer, sich ein Urteil über die Vor- und Nachteile dieser Technologie zu bilden. Im Anschluss an die Filmvorführung hat Dominik Rudolph vom Internationalen Zentrum für Kultur- und Technikforschung der Universität Stuttgart gemeinsam mit Nadine Hammele und Clarissa Henning vom Institut für Digitale Ethik der Hochschule der Medien Stuttgart und dem Publikum über ethische Fragestellungen im Umgang mit künstlicher Intelligenz diskutiert. 

Die fachübergreifende Schlüsselqualifikationen „Verantwortung in den Wissenschaften im Spiegel von Dürrenmatts Physikern“ wurde an der Universität Stuttgart von Stefan Gammel durchgeführt, einem Philosophen der TU Darmstadt, der auf Fragen der Wissenschaft und Technik-Ethik spezialisiert ist. Die an der Schlüsselqualifikationen teilnehmenden Studierenden befassten sich mit Fragen der Ethik und Technikfolgenabschätzung, und spannten zudem einen inhaltlichen Bogen zu den zwei Exzellensclustern der Universität Stuttgart.

Förderung durch den Stifterverband

Die Universität Stuttgart hat sich erfolgreich an der Ausschreibung „Eine Uni – ein Buch“ des Stifterverbands und der Klaus Tschira Stiftung beteiligt. In einem mehrstufigen Auswahlprozess hatten sich zuvor Studierende und Beschäftigte der Universität Stuttgart für „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt entschieden und dieses Projekt bei der Ausschreibung eingereicht. Die Jury aus den Bereichen Kultur, Wissenschaft und Zivilgesellschaft hat nun das Projekt der Universität Stuttgart und neun weitere Ideen und Aktionen ausgezeichnet. Diese erhalten jeweils eine Förderung von 10.000 Euro.

Presseinformation

Kontakt

 

Dominik Rudolph

Wissenschaftlicher Koordinator am Internationalen Zentrum für Kultur- und Technikforschung der Universität Stuttgart (IZKT)

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