„Die Physiker“ als Graphic Novel

Lesung & Diskussion im Rahmen des Projektes „Eine Uni – ein Buch“.

Der Inspektor ist dabei, verrückt zu werden. Er explodiert in einem Feuerwerk aus bunten Flächen. Mitten im verwüsteten Zimmer ist eine Leiche, das Rechteck mit rotem X – und die Ärztin wird zur gelben Kugel. Die Graphic Novel von Benjamin Gottwald lässt Dürrenmatts „Die Physiker“ zu einem besonderen Leseerlebnis werden.

Anfang November war der freiberufliche Künstler Benjamin Gottwald im Rahmen des Projekts „Eine Uni – ein Buch“ zu Gast an der Universität Stuttgart. Im Gespräch mit Prof. Torsten Hoffmann vom Institut für Literaturwissenschaft erzählte er von seiner Arbeit an den Physikern von Dürrenmatt. Im Auftrag der Büchergilde hat er diese zum gestalt- und farbexplosiven Comic werden lassen. Zur Freude der zahlreichen Gästen las er aus seinem Werk die Sprechblasen mit verstellter Stimme vor.

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Buchcover der Graphic Novel von Benjamin Gottwald.

Die Vorgänge im Irrenhaus auf 105 Seiten innerhalb eines Jahres mit 400 Bildern nachzuerzählen – durchaus auch etwas frei – sei anstrengende Kopfarbeit gewesen, sagte Benjamin Gottwald. Immerhin, jede Seite, wie sie sich jetzt präsentiere, sei bis ins Detail geplant. Nein mit literaturwissenschaftlicher Textinterpretation habe er sich nicht beschäftigt, befand Gottwald, er habe sich bemüht, mit seinen Kompositionen eine Form von Verrücktsein zu erreichen. Das ist ihm mit seinen geometrisch angelegten Zeichnungen durchaus gelungen, nicht nur, wenn sich etwa die Ärztin des Irrenhauses als gelbe Kugel mit einem Rechteck unterhält – den Besuchern des Patienten Möbius.

„Bislang kannte ich noch nicht sehr viele gelungene Comicadaptionen von dramatischen Texten (...). Mit Gottwalds ‚Physikern‘ ist jetzt ernsthafte Konkurrenz vorhanden“, hat Andreas Platthaus von der Frankfurter Allgemeine Zeitung die zum Comic-Leben erweckten Physiker kommentiert. Comics bieten neue Möglichkeiten, Dinge zu zeigen, die so gar nicht möglich sind, erklärte Benjamin Gottwald, der als Bühnenbildner, Regisseur und Schauspieler der Figuren fungierte. Eigentlich ein Kammerspiel, konnte Gottwald beispielsweise den Raum, immer wieder, je nach Situation, verändern.

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