Symbolbild Theatermasken

4. Mai 2021

Studierende spielen online gemeinsam Theater

Im Wintersemester 20/21 startet das beim Zentrum für Lehre und Weiterbildung (zlw) angesiedelte Steinfußtheater ein Online-Experiment. Studierende treffen sich wöchentlich online und proben ein Gedicht. Am Ende sind aus ihrer Arbeit zwei Videos entstanden.
[Bild: Steinfußtheater]

"Anfangs war es für alle eine große Herausforderung online gemeinsam Theater zu spielen", sagt Daiva Sell vom zlw. Die Regisseurin der Theatergruppe Nicole Schütte erklärt warum: "Alleine im eigenen Zimmer, oft mit neugierigen Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern hinter den dünnen Zimmerwänden, benötigt man schon ein hohes Maß an Mut, um aus sich herauszugehen, umher zu turnen, Sprachübungen zu machen, im Schauspiel zu schreien, zu lachen und zu toben." Sie ergänzt, dass den Studierenden der Probenraum und der damit einhergehende geschützte Rahmen fehlten.

Es war aufgrund von Rückkopplungsproblemen beim Ton auch nicht möglich, dass alle ihre Mikrofone anlassen. Maximal drei Personen konnten auf einmal sprechen und meist hörten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer während der Theaterproben nur die Stimme der Regisseurin. Für Nicole Schütte war diese Situation ungewohnt. "Man kann die Studierenden nicht hören, wie sie die Sprachübungen nachsprechen und so nur allgemeine Verbesserungshinweise geben. Gruppendynamische Übungen sind nur bedingt möglich und auch die wertvollen Gruppenübungen fallen weg", sagt sie.

Studierende erschaffen Rollenfigur anhand eines Beckett-Gedichts

Das Wintersemester wurde dazu genutzt prozessorientiert zu arbeiten, da klar war, dass die Proben diesmal nicht in die Aufführungen eines großen Theaterstückes münden werden. Ein großes Anliegen für diese Zeit war zu üben, wie man eine Rollenfigur erschafft und so verinnerlicht, dass sie frei bespielt werden kann. Hierbei haben sich die Studierenden intensiv mit der Körperlichkeit, der Sprache und der Biografie der Rolle auseinandersetzt. Bei allen wurde ein hohes Maß an Improvisationsfähigkeit und Flexibilität trainiert. Das authentische, sinnliche Schauspiel ist im Endeffekt das, was die Zuschauer später ergreift und bewegt. Diese Art des Schauspieles erfordert viel Übung und den Mut, sich aus seiner persönlichen Komfortzone herauszubewegen. Die Theatergruppe hat dies anhand eines Beckett-Gedichts geübt. Es eignet sich gut für diese Arbeit, da es wie ein kleiner Monolog aufgebaut ist, der für fast jede beliebige Situation und Rolle genutzt werden kann:

ohne Titel

stell dir vor wenn dies
eines Tages dies
eines schönen Tages
stell dir vor
wenn eines Tages
eines schönen Tages dies
aufhörte
stell dir vor

Die Studierenden haben sich eine eigene Rolle und Situation zum Gedicht überlegt, sie erschaffen und intensiv damit gearbeitet, um sich die Rolle zu eigen zu machen und sie mit allen Sinnen zu füllen. Das Ergebnis haben sie selbst mit dem Handy aufgenommen. Die Regieassistentin Laura Birkenfelder hat daraus zwei Videos erstellt: einen Trailer und das eigentliche Video, auf dem alle Ergebnisse zu sehen sind.

Camera Acting birgt neue Herausforderungen

Zwischen dem Theaterschauspiel und Camera Acting gibt es signifikante Unterschiede. Die Kamera registriert jede kleine Emotion oder Gesichtsentgleisung die nicht zur Rolle passt. Auch wirkt jegliche Pantomime eher unpassend. Die Theatergruppe hat viel ausprobiert, beraten und angepasst, um die Ergebnisse in einer für alle zufriedenstellenden Art auf Video festzuhalten. Das "authentische " Schauspiel steht bei der Regisseurin Schütte immer im Vordergrund, daher sind in den Videos keine große Pantomime oder Klamauk zu sehen.

Im Lauf des Semesters hat die Gruppe festgestellt, dass online nicht nur Monologarbeit möglich ist, sondern dass man auch zusammenspielen und interagieren kann. Diese Erkenntnis will das Steinfußtheater für das nächste Semester nutzen und sich an ein kleines Stück oder zumindest eine Szenencollage wagen.

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