Wie wollen wir in Zukunft wirtschaften?

Semestervortrag des Studium Generale

Wie wollen wir in Zukunft wirtschaften? Unter dieser Frage stand der Semestervortrag, zu dem das Studium Generale am 8. November, geladen hatte. Referent war Prof. Dr. Michael von Hauff, der an der Technischen Universität Kaiserslautern eine Seniorforschungsprofessur inne hat und bis 2016 Lehrstuhlinhaber für Volkswirtschaftslehre war. Er wurde im F.A.Z. Ranking 2015 zu den 100 bedeutendsten Ökonomen im deutschsprachigen Raum gerechnet.

Welches Wachstum wollen wir?

Angesicht des hohen Beschäftigungsstands, der Geldwertstabilität, einem stetigen Wirtschaftswachstum und dem Gleichgewicht zwischen Import und Export stellte Michael von Hauff fest: Es geht uns gut. Kritisch betrachtet merkte er jedoch an: Die Zahl der Minijober nimmt zu, und statt 70 Prozent, wie noch im Jahr 2000, sind derzeit nur noch 50 Prozent der Arbeitnehmer vollbeschäftigt. Die Alterssicherheit werde angesichts der niedrigen Zinsen zum Problem, betonte der Volkswirtschaftler, zu dessen Forschungsschwerpunkten die Umwelt- und Entwicklungsökonomie und die nachhaltige Entwicklung zählen. Die für 2018 vorausgesagten zwei Prozent mehr Wachstum seien nicht mit dem Umweltschutz zusammenzubringen und der außenwirtschaftliche Boom schließlich führe zu mehr Ungleichverteilung, da nur die oberen Einkommen davon profitieren. Die entscheidende Frage sei daher: Welches Wachstum wollen wir?

Weltweit menschenwürdiges Leben schaffen, hat die 2015 von der Weltgemeinschaft verabschiedete Agenda 2030 zum Ziel. Unter den Forderungen werde aufgeführt, dass es keinen Hunger und keine Armut mehr geben soll, Maßnahmen zum Klimaschutz ergriffen werden und Chancengleichheit gegeben ist. „Anspruchsvoll, aber grundsätzlich erreichbar sind diese Ziele“, betonte Michael von Hauff. Problematisch nannte er etwa die Forderung nach Wohnraum einerseits und weniger Landverbrauch andererseits. Zudem hob er die Schattenseiten der Digitalisierung hervor, die dem sparsamen Umgang mit seltenen Erden und Metallen entgegenstehe. So gehen etwa bei der Handyentsorgung im Verlauf von zwei Jahren 16 Tonnen Gold verloren – und „mit nur einmal Googeln verbrauchen wir so viel Energie wie für das Erhitzen einer Tasse Wasser“, erklärte von Hauff.

Vortragsreihe mit Geschichte

Im Wintersemester 2013/14 lud das Studium Generale erstmals zum Semestervortrag ein. Die Idee dahinter war es zunächst, Themen aufzugreifen, die an der Universität Stuttgart nicht beheimatet sind, so etwa aus Theologie oder Psychologie. Als erster Referent konnte der durch Funk und Fernsehen bekannte Germanist und Volkskundler Werner Mezger gewonnen werden. Inzwischen gab es Vorträge unter anderem zum Euro, zum gesunden Schlaf und zu diversen historischen Themen. „Wir sind immer auf der Suche, nach Referenten, die ein aktuelles Thema spannend aufbereiten können“, sagt Daniel Francis, der Leiter des Studium Generale, und merkt an, wie klein dabei manchmal die Welt sein kann: Michael von Hauff promovierte und habilitierte einst an der Universität Stuttgart, und er spielte Trompete in der Uni Big Band, die als Arbeitskreis beim Studium Generale beheimatet ist.

Öffentlicher Film­abend
Als Teil des Seminars „Eine Reise durch die Film­geschichte“ zeigt das Studium Generale am 5. Dezem­ber den Film „Hitler­junge Quex“. Campus Stadt­mitte, Hör­saal M 17.01, 19:00 Uhr.

Dass die Semestervorträge des Studium Generale mittwochs stattfinden, ist bewusst gewählt. Als die Technischen Hochschule noch rein technisch ausgerichtet war, wurden den Studierenden mittwochs „Bildungsvorlesungen“ als „geisteswissenschaftliche Ergänzung“ angeboten. Inzwischen spricht das Studium Generale Studierende, Mitarbeitende der Universität und besonders Gasthörer an. Geboten wird viel: Vorlesungen, Vortragsreihen, Kurse und Workshops, die zum Beispiel auch Themen wie den Berufseinstieg oder das richtige Vorgehen beim Vorstellungsgespräch aufgreifen. „Im Sommersemester werden wir zu unserem zehnten Semestervortrag einladen können“, freut sich Daniel Francis und ergänzt: „Bei diesem besonderen Event auf den 1000sten Gasthörer hinweisen zu können, das wäre toll.“

 

Daniel Francis

Leiter Studium Generale

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