iGEM

Studierende nehmen am renommiertesten Wettbewerb für synthetische Biologie teil

Bei einem Wettstreit in Boston treten Studierenden-Teams mit selbst erarbeiteten Projekten gegeneinander an. Auch an der Universität Stuttgart gibt es seit 2017 ein sogenanntes iGEM-Team, das beim ersten Wettbewerb schon sehr erfolgreich war. Doch zu iGEM gehört mehr als nur Forschung.

iGEM:
iGEM steht für international genetically engineered machine competition. Es ist der international renommierteste und größte Wettbewerb für synthetische Biologie, der seit 2004 jährlich am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge (USA) ausgerichtet wird. Weltweit gibt es an zahlreichen Universitäten sogenannte iGEM-Teams, die aus etwa zehn Studierenden bestehen.
In rund sieben Monaten entwickeln die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selbstständig ein eigenes Projekt. Die Forschungsergebnisse müssen in schriftlicher Form eingereicht werden. Im November präsentieren die Teams ihr Projekt und die Ergebnisse persönlich auf dem Wettbewerb in Boston und treten dort gegen die anderen Teams an.

Zwischen April und November herrschte ein straffer Zeitplan: Das iGEM-Team der Universität Stuttgart überlegte sich zunächst ein Forschungsthema und untersuchte es im Labor. Die ersten Laborergebnisse lagen im Sommer vor, Ende Oktober war die Deadline. Neben der Forschungsarbeit geht es beim Projekt auch darum, Sponsoren zu werben, Flyer zu designen, den Medien zu berichten und einen Webauftritt zu gestalten. „Wir haben viel Durchhaltevermögen gebraucht, doch es hat sich gelohnt“, sagt Nicole Buss aus dem iGEM-Team 2017 der Universität Stuttgart. „Als Studierender ein wissenschaftliches Projekt von Null an auf die Beine zu stellen, damit haben wir wirklich unglaublich viel an Erfahrung gewonnen.“

Nicole Buss (links) und Elke Evgrafov im Labor. (c) iGEM
Nicole Buss (links) und Elke Evgrafov im Labor.

Der große, abschließende Wettbewerb in Boston war das Highlight. Dort präsentieren rund 300 Teams aus 44 verschiedenen Ländern ihre selbst erarbeiteten Projekte. Die Studierenden der Universität Stuttgart war sehr erfolgreich. „Wir haben Bronze geholt und sind sehr zufrieden damit“, erzählt Buss. „Wir haben als Team viel erreicht, internationale Kontakte geknüpft und gelernt, dass es in der Wissenschaft auch darauf ankommt, Gelder zu sammeln und mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren.“

Synthetische Biologie:
Die Synthetischen Biologie verknüpft die Biologie mit dem Ingenieurwesen, um beispielsweise Organismen zu verändern, im besten Fall, um sie zu verbessern.

In ihrem Projekt entwickelten die Studierenden mit Hilfe der Synthetischen Biologie eine Art biologischen Rohrreiniger mit dem Arbeitstitel „Light up the pipe: Systems Biology for A Better Flow“. Dieser soll in erster Linie Haare, Fettpartikel und Seifenreste in Rohrverstopfungen abbauen und dabei nachhaltiger sein als die bisher eingesetzten chemischen Rohrreiniger, welche oft aggressive umwelt- und gesundheitsschädliche Chemikalien enthalten.

Die Idee für ein iGEM-Team an der Universität Stuttgart hatte Dr. Siemann-Herzberg, stellvertretender Leiter des Instituts für Bioverfahrenstechnik. Sein Forschungsfeld ist die zellfreie (in vitro) Proteinsynthese. Er ist seit Jahren immer wieder Gastredner an Universitäten im In- und Ausland, dort gebe es oft schon Jahrelang iGEM-Teams. „Die iGEM-Idee hat sich in den letzten 20 Jahren wie ein Lauffeuer an den Universitäten verbreitet“, berichtet er. Lange habe er bedauert, dass es solch ein Team an der Universität Stuttgart nicht gibt und schließlich das erste Stuttgarter iGEM-Team erfolgreich ins Leben gerufen.

Siemann-Herzberg, Koordinator des iGEM-Teams, ist vom Konzept iGEM beeindruckt: „Ich hätte es nie für möglich gehalten, wie effektiv und gekonnt sich Studierende Wissen erarbeiten können. Man muss nicht immer alles vorschreiben oder vorkauen. Wenn sie wollen, reißen sie Bäume aus, auch ohne Standard-Vorlesungen und Leistungskontrollen. Für mich ist iGEM ein ideales Lernforum“. Auch über den Erfolg des ersten iGEM-Teams der Universität Stuttgart ist er positiv überrascht und „richtig stolz“. Nach dem iGEM-Jahr seien aus den Studierenden gute Teamplayer mit viel Charakter und Selbstbewusstsein geworden. „Sie haben sich ihr eigenes Netzwerk aufgebaut, von dem sie auch zukünftig, und nicht nur beruflich, profitieren können.“ Künftig solle es jedes Jahr ein iGEM-Team an der Universität Stuttgart geben.

Das iGEM Team 2018. (c) iGEM
Das iGEM Team 2018.

Die Gruppe für 2018 steht bereits und beschäftigt sich derzeit mit der Themenfindung und der Literaturrecherche. „Wir wollen versuchen, eine antimikrobielle Oberflächen zu entwickeln“, verrät Lars Höing, der im Master Technische Biologie studiert. Sinnvoll seien diese Oberflächen vor allem für verschmutzte Oberflächen wie Türklinken, Haltegriffe in der U-Bahn und an Treppengeländern. Diese können Schmierinfektionen verursachen, welche die Verbreitung von Krankheitserregern erleichtern. Eine geeignete Oberfläche mit antimikrobiellen Eigenschaften könnte dies verhindern. 

Wer Interesse hat, bei iGEM mitzumachen, kann sich an das iGEM-Team wenden. Höing, der sich dieses Jahr unter anderem um die Öffentlichkeitsarbeit von iGEM kümmert, betont, dass nicht ausschließlich Studierende der Technischen Biologie gesucht werden. „Auch Ingenieure oder Studierende, die sich für Webseitengestaltung interessieren, werden gebraucht und sind herzlich willkommen.“

iGEM-Website

Dieses Bild zeigt Siemann-Herzberg
apl. Prof. Dr. habil.

Martin Siemann-Herzberg

stellv. Institutsleitung/Akademischer Direktor

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