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Internationale Bauausstellung IBA 2027

Urbanes Leben hundert Jahre nach Weißenhof

Wie werden wir in zehn Jahren leben? Wohnraum in Städten ist knapp und teuer. Das gilt auch für Stuttgart und die Region. Stuttgart 21, Demografie, Digitalisierung und sich ändernde Formen der Mobilität sind Beschleuniger eines Wandels, der sich nicht zuletzt auch architektonisch niederschlagen wird. Grund genug für die Architektenkammer Baden-Württemberg und die Hochschul- und Wissenschaftsregion Stuttgart gemeinsam mit der Universität Stuttgart und weiteren Stuttgarter Hochschulen und Einrichtungen zu einem internationalen Fachkongress „Leitbilder 100 Jahre nach Weißenhof“ einzuladen. Über 500 Besucher nahmen an der Tagung Anfang Februar im Haus der Architekten und der Universität Stuttgart teil. Sie war eine Art Auftaktveranstaltung zur Internationalen Bauausstellung (IBA), die im Jahr 2027 zum ersten Mal in Stuttgart stattfindet.

Stuttgart ist als architektonische Avantgarde weltbekannt. Man denke nur an Architekten wie Frei Otto mit seinen Zeltbauten, Le Corbusier mit seinem zum Weltkulturerbe gehörenden Haus in der Weißenhofsiedlung oder Fritz Leonhardt, der mit seinem einst im doppelten Sinne überragenden Fernsehturm eine neue Ära des Turmbaus einläutete. An diese wegweisenden Glanzleistungen will Stuttgart mit der IBA 2027 anschließen. Im ganztägigen konzertierten Brainstorming, mit Impulsvortrag und Plenumsdiskussion wurden unterschiedliche Vorstellungen und Ziele diskutiert, die an das Zehnjahresprojekt geknüpft sind.

„Ich glaube, das wiedererwachte Interesse an unserer Arbeit rührt auch von Stuttgart 21, der Hamburger Elbphilharmonie oder Berlin mit seinem Flughafen. Da sind wir, aus welchen Gründen auch immer, in die Kritik geraten. Auf alle Fälle hat dies das allgemeine Interesse an Architektur geweckt und das kann nur gut sein“, konstatiert Prof. Klaus Jan Philipp, Dekan der Fakultät Architektur und Stadtplanung und Leiter des Instituts für Architekturgeschichte an der Universität Stuttgart. Seine Fakultät spielte zusammen mit Prof. Wolfram Ressel, Uni-Rektor und Vorsitzender der Hochschul- und Wissenschaftsregion Stuttgart e.V., bei der Vorbereitung der Tagung eine tragende Rolle.

„Wir sind bestrebt, auch innerhalb der Fakultät für die IBA 2027 zu werben und die Studierenden dafür zu begeistern. Für sie kann die IBA eine große Chance sein, schließlich wollen sie bauen“, freut sich Philipp. Während der Tagung leiteten internationale Büros unterschiedliche Workshops, an denen Studierende wie Architekten teilnahmen. „Es wurden bewusst vorrangig junge Büros als Teilnehmer ausgewählt, denen wir zutrauen, die Entwicklungen in die Zukunft weitertreiben zu können“, berichtet der Dekan der Fakultät Architektur und Stadtplanung.

Erschwingliches Wohnen als Hauptziel für die Region Stuttgart
Das Ergebnis der Tagung war ein großer Strauß denkbarer Themen, deren Umsetzung zur IBA 2027 möglich wären. Einer der Schwerpunkte war bezahlbarer Wohnraum. Dieses Thema, so der einhellige Konsens, müsse ganz weit oben auf der Agenda stehen. Deshalb ging es meist um einfaches Bauen. Daran schloss sich die Mobilitätsfrage, egal ob öffentlicher Personennahverkehr, Individualverkehr, Fahrrad oder Pedelec. Bei all diesen Themen wird die Rolle der Universität Stuttgart wichtig sein. Dort nämlich sitzt geballte Expertise in den Bereichen Architektur und Stadtplanung, Engineering, Konstruktion und Computional Design. „Und die Universität schaut bei allem, was sie tut, von jeher über den Tellerrand der nächsten drei Jahre hinaus“, so Philipp.

Ernennung eines Kurators
Nicht zuletzt war die Ernennung eines Kurators für das Milliardenprojekt IBA 2027 beschlossene Sache. Ihm müsse man möglichst viele Freiheiten lassen können. Wem diese Rolle als gestaltender Treiber zufallen wird, darüber soll binnen der kommenden sechs Monate entschieden werden. „Eine Hauptidee braucht’s und die muss derjenige mitbringen, der die IBA 2027 dann auch zehn Jahre lang am Leben halten und möglichst breit in die Bevölkerung tragen muss“, erklärt Prof. Klaus Jan Philipp.

Bürgerbeteiligung
Wie weit die Beteiligung der Bürger am Gestaltungsprozess gehen kann und wie sie zu steuern ist, auch das war Thema während des Tagung. Fünf Prozent der Vorschläge über Bürgerbeteiligung seien letztlich realisierbar, berichtete Martin Roth, ehemaliger Direktor des Victoria & Albert Museums in London und designierter Präsident des Instituts für Auslandsbeziehungen, ifa. Die aber führen dazu, dass das Projekt von vielen getragen, aber vom Kurator mit einer großen Grundidee dirigiert wird.