23. April 2020

Beginn des digitalen Semesters

Die Prorektorin für Informationstechnologie Dr. Simone Rehm und der Prorektor für Lehre und Weiterbildung Prof. Hansgeorg Binz erwarteten den Wochenbeginn mit Spannung. Beide sind erfreut über das große Engagement aller Beteiligten und beschreiben ihre Eindrücke vom Start des ersten digitalen Semesters.

Noch im Sommersemester 2019 hat der Senat eine Leitlinie für das Lehren und Lernen mit digitalen Formaten beschlossen, die in der Präambel betont, dass wir trotz einer Hinwendung zu digitalen Formaten eine Präsenzuniversität bleiben wollen. Darin heißt es: „Wir legen Wert auf die aktive und interpersonelle Kooperation zwischen Lehrenden und Studierenden und sehen darin die Grundlage für erfolgreiches Lehren und Lernen.“

Nun hat Corona uns ein „Primat des Digitalen“ auferlegt, wie Ministerin Bauer dies in Ihrem Rundschreiben an alle Hochschulmitglieder vom 15.4. formuliert hat. Und am 20.4 war es dann soweit: Das erste komplett digitale Semester an der Universität Stuttgart begann mit einem Online-Lehrbetrieb. Für viele Studierende startete dieser Tag mit einer ermutigenden Videobegrüßung des Rektors Prof. Wolfram Ressel.

Nicht nur für die Studierenden, auch für die Lehrenden, die wissenschaftsunterstützenden Bereiche und die Universitätsleitung ist der Beginn des Sommersemesters 2020 eine Premiere. Zum ersten Mal in der Geschichte der Universität Stuttgart blieben die Hörsäle in Vaihingen und Stadtmitte überwiegend leer. Viele Professorinnen und Professoren hatten gute Vorarbeit geleistet und ihre Vorlesungen im Vorfeld digital aufgezeichnet und auf das Lernmanagementsystem ILIAS geladen. Manche haben die neuen Studierenden in einer Webex-Session begrüßt und auf das kommende digitale Semester eingestimmt.

In dem einen oder anderen Hörsaal stand eine Professorin oder ein Professor vor leeren Stuhlreihen und war dabei, die Vorlesung für die kommende Woche aufzuzeichnen. Die Studierenden mussten und konnten also zu Hause bleiben, denn eine Präsenzlehre fand nicht statt.

Gleich in den ersten Stunden schnellte die Last von ILIAS hoch. Die vielen Abrufe und die zeitgleich noch stattfindenden Versuche, große Video-Dateien auf ILIAS hochzuladen, zwangen das System vorübergehend in die Knie. Langsame Reaktionszeiten waren die Folge, und Probleme beim Hochladen von Aufzeichnungen, die im Home Office entstanden waren, kamen hinzu. Das Team im TIK arbeitete mit Hochdruck an der Lösung der Probleme, und schon am frühen Nachmittag waren die Reaktionszeiten im ILIAS wieder gut. Für das Hochladen wurde ein Workaround gefunden, und am Tag darauf verbesserte sich die Situation noch weiter. An Tag 2 und 3 gab es jeweils nur noch einen kurzen Ausfall von wenigen Minuten zu beklagen, aber nun scheint der Betrieb stabil zu sein. Pro Tag sind etwa 14.000 individuelle Nutzer*innen online und in einem Zeitfenster von 10 Minuten sind aktuell zwischen 2.000 und 2.300 gleichzeitig aktiv.

Die Taskforce „Digitale Lehre“ unter Steuerung der Prorektorate Lehre und Informationstechnologie entwickelt mit TIK und ZLW, unterstützt von Professor*innen und Studierenden, Informationen und Anleitungen zur digitalen Lehre. Gemeinsam auch mit den wissenschaftsunterstützenden Bereichen wird alles darangesetzt, das digitale Semester für die Studierenden und die Lehrenden zu einem erfolgreichen Semester zu machen. Neben ILIAS, Opencast und Webex spielt übrigens auch C@MPUS eine tragende Rolle im Portfolio der lehrunterstützenden Systeme, denn dort kann in zusätzlichen Attributen hinterlegt werden, ob es für eine Lehrveranstaltung ein digitales Pendant gibt und falls ja, wie dieses aussieht. Mittels einer filternden Suche bzw. alternativ einem Export dieser Attribute, den das C@MPUS-Team ermöglicht hat, kann ein Überblick über den digitalen Stundenplan für jeden Studiengang abgerufen werden.

Besonders erfreulich ist es, dass sich auf einen Aufruf der Taskforce „Digitale Lehre“ mehr als 90 Studierende gemeldet haben, die sich als E-Scouts ausbilden lassen, um während des Semesters Lehrenden bei der Anwendung der digitalen Tools unterstützend zur Seite zu stehen. Eine erste Gruppe von eScouts wurde schon geschult und kann bald schon von den Lehrenden „gebucht“ werden.

Auch die Universitätsbibliothek unterstützt die Lehrenden und Studierenden nach Kräften. So gibt es neben dem lokalen elektronischen Aufsatzlieferdienst zunächst befristet bis zum 31. Mai auch die Möglichkeit, die über Fernleihe bestellten Aufsatzkopien digital ausliefern zu lassen. Die Leitung der Universitätsbibliothek arbeitet außerdem mit Nachdruck an einem Plan, wie die Bibliotheken in Vaihingen und Stadtmitte und die Institutsbibliotheken sukzessive wieder für Publikumsverkehr geöffnet werden können, was aufgrund der einzuhaltenden Hygienevorschriften aber kein einfaches Unterfangen ist.

Prorektorin Dr. Simone Rehm
Prorektor Prof. Hansgeorg Binz

Auf diese Weise versuchen alle zusammen zu helfen, um den großen Schritt hin zu einem Online-Betrieb zu schaffen, auch wenn wir alle hoffen, dass nach Corona das bunte Leben auf den Campus Vaihingen und den Campus Stadtmitte zurückkehrt, welches eine Präsenzuniversität ausmacht.

Auf die Erfahrungen der Lehrenden und Studierenden mit den vielfältigen digitalen Formaten im Sommersemester 2020 sind wir auf jeden Fall gespannt. Möglichkeiten zum Feedback sind in ILIAS gegeben.

Dr. Simone Rehm und Prof. Hansgeorg Binz

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