Herzlichen Glückwunsch, Veronika Stoertzenbach!

30 Jahre Engagement für Akademischen Chor und Orchester – und ein runder Geburtstag
[Foto: Kovalenko]

Für Veronika Stoertzenbach, die Universitätsmusikdirektorin der Universität Stuttgart, steht in diesem Jahr ein doppeltes Jubiläum an: Seit 30 Jahren leitet sie den Akademischen Chor und das Akademische Orchester der Universität Stuttgart, und sie kann ihren 60. Geburtstag feiern.

„Jede Aufführung hatte ihren eigenen Charakter, jede Konzertreise war einmalig“, sagt Veronika Stoertzenbach. Immer wieder andere Orte, andere Leute, das Erlebte lasse sich nicht vergleichen. Von einem Highlight aus 30 Jahren an der Spitze von Akademischem Chor und Orchester kann sie daher nicht berichten. Aber sie hat Anekdoten zuhauf parat: bei der Opernbesichtigung von Sidney den Proben des dortigen Sinfonieorchesters zuhören, in St. Petersburg per Anhalter das ganze Orchester zum Aufführungsort bringen, der Hund, der bei der Aufführung der Zauberflöte im Züblinhaus das wilde Tier gab, die Holzkisten für die Pauken, die sich just vor dem Abflug als zu groß für die Ladeluke zeigten oder das Neujahrskonzert, bei dem Tschaikowskys „Nussknacker“ für Bohrer, Schleifmaschine und Orchester zur Aufführung kam, als Dank an die Sponsoren, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Konzertreise nach St. Petersburg (c) Simon Brodtmann
Konzertreise nach St. Petersburg

Erlebnisse fürs Leben

Die Kombination von Pädagogik und musikalischer Arbeit schätzt Veronika Stoertzenbach an ihrer Funktion als Universitätsmusikdirektorin. Die Studierenden durch die ganze Musikgeschichte führen ist ihr Ziel, sie mit den verschiedensten Stilrichtungen und Genres bekannt zu machen und bei szenischen Aufführungen durchaus auch ans Schauspiel heranzuführen. Ihr „Geheimrezept“ dabei ist, die richtige Balance zwischen Über- und Unterforderung der Hobbymusiker. Was bei den wöchentlichen Proben und im Verlauf von Probenfreizeiten eingeübt wird, kommt in Konzertsälen und Kirchen rund um Stuttgart, durchaus aber auch in aller Welt zur Aufführung. In ganz Europa, aber auch etwa in den USA, Australien, Südafrika, Russland, Brasilien oder China wurde Uni Chor und Orchester schon applaudiert. „Was man während des Studiums erlebt hat, begleitet einen ein Leben lang“, betont Veronika Stoertzenbach. Sie erzählt vom Kennenlernen anderer Kulturen, von lebenslangen Freundschaften, und ergänzt schmunzelnd: „Wir sind die größte Partnervermittlung in Stuttgart.“ Einmal traf Amors Pfeil gar in Brasilien – der Getroffene hat dort jetzt eine Familie gegründet.

Für ihr Engagement wurde Veronika Stoertzenbach 2008 die Ehrenmedaille der Universität Stuttgart verliehen.  (c) Kovalenko
Für ihr Engagement wurde Veronika Stoertzenbach 2008 die Ehrenmedaille der Universität Stuttgart verliehen.

Als Veronika Stoertzenbach 1988 Chor und Orchester der Universität Stuttgart übernahm, war sie zugleich Dozentin für Chor- und Orchesterleitung an der Kirchenmusikhochschule Rottenburg am Neckar, bildete an der Musikhochschule in Trossingen Dirigenten aus, leitete das von ihr gegründete Paulus-Sinfonieorchester Stuttgart und durfte als Preisträgerin des nationalen Dirigierwettbewerbs des Deutschen Musikrats Berufsorchester in ganz Deutschland dirigieren, so auch die Münchner Philharmoniker, denen Sergiu Celibidache vorstand. „Manchmal frage ich mich, wie ich das alles geschafft habe“, sagt die Jubilarin. Immerhin war sie auch noch Mutter und Ehefrau, und in ihrer Funktion als Universitätsmusikdirektorin studierte sie nicht nur die neuen Stücke mit den Musikern ein, sie organisierte auch die Konzerte, plante Reisen, fungierte als Orchester- und Notenwart, kümmerte sich um die Finanzen und trocknete hin und wieder mal Tränen.

Da Veronika Stoertzenbach bis vor Kurzem keine Bürokraft oder Geschäftsführung hatte, machte sie aus der Not eine Tugend: Chor und Orchester wählen Präsidenten, und in Teams nehmen sich die Mitglieder von Akademischem Chor und Orchester etwa der Öffentlichkeitsarbeit, dem Catering, der Logistik und dem Auf- und Abbau an, bekommen so auch einen Einblick ins Musikmanagement. Für ihre Leistungen wurde Veronika Stoertzenbach 2008 die Ehrenmedaille der Universität Stuttgart verliehen.

„Ich kann mich auf meine Leute verlassen“

300 Aktive zählen Orchester und Chor derzeit – Nachwuchsprobleme gibt es nicht, einzig Tenöre sind immer Mangelware, und Oboennachwuchs dürfte es geben. Die Bühnen werden für das große Ensemble langsam zu klein. „Sogar die Liederhalle stößt an ihre Grenzen“, sagt Veronika Stoertzenbach. Als vor vier Jahren im Züblinhaus wegen Umbauarbeiten nicht gespielt werden konnte, hat sie sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, in den Beethoven Saal der Liederhalle auszuweichen. Die vielen Reihen wollen gefüllt sein, die Studierenden treffen auf ein breites Publikum. Doch es hat geklappt, aktuell gar mit der 9. Sinfonie von Anton Bruckner. „Ich kann mich auf meine Leute verlassen“, freut sich die Dirigentin.

Bei den Sommerkonzerten im Züblinhaus sind Chor und Orchester der Uni Stuttgart immer mit dabei, das Neujahrskonzert – speziell für die Angehörigen der Universität – hat Veronika Stoertzenbach ins Leben gerufen, und für „die schönen Momente, wie etwa Ehrungen oder Doktorfeiern“ haben sich Orchestermitglieder zu inzwischen 12 Kammermusik-Ensembles zusammengefunden. Für den im Wintersemester seit nunmehr 20 Jahren veranstalteten Kammermusikkurs werden professionelle Stuttgarter Musiker als Dozenten engagiert. Junge Instrumental- oder Gesangssolisten von der Musikhochschule sind immer wieder gefragt, wenn Werke, wie etwa Prokofjews Violinkonzert, die Fledermaus, die Zauberflöte oder auch Bachs Johannespassion zur Aufführung kommen. Studierende der Musikhochschule helfen auch als Assistenten bei den Proben und der Stimmbildung.

Orchesterreise 2014: Cape of Good Hope  (c)
Orchesterreise 2014: Cape of Good Hope

Hörenswerte Aussichten

„Professor Ressel hat erkannt, was für gute Repräsentanten Chor und Orchester für die Universität sind“, sagt Veronika Stoertzenbach. Im September steht für das Orchester auf Anregung des Rektorats eine 16-tägige Konzertreise nach Korea, Taiwan und Hongkong an. Für die Konzerte an den besuchten Partneruniversitäten gilt es nun Mendelssohns 4. Sinfonie, die Italienische, und nebenbei, für ein Konzert in der deutschen Schule von Taipeh, „Peter und der Wolf“ von Sergei Prokofjew einzuüben. Seit das Rektorat mitreist, ist der Austausch mit den Wissenschaftlern zu einem weiteren wichtigen Part der Konzertreisen geworden. Schon im Mai, geht es für den Chor nach Italien, zu Partneruniversitäten unter anderem in Bergamo und Pavia – im Gepäck Gioachino Rossins Petite Messe solennelle. Zwei Reisen in einem Jahr ist, das ist eine besondere Herausforderung – auch hinsichtlich der Finanzierung. „30.000 Euro fehlen noch“, sagt Veronika Stoertzenbach, die zwar von der Universität Stuttgart und den Freunden der Uni unterstützt wird, für das Gros der Ausgaben des Ensembles jedoch auf Spenden und Konzerteinnahmen angewiesen ist.

Die Planung für die nächsten zwei Jahre steht: Das Waldmärchen und das klagende Lied von Gustav Mahler sollen für den großen Auftritt in der Liederhalle eingeübt werden, für den Auftritt im Züblinhaus das Flötenkonzert von Francis Poulenc. „Und dann ist der richtige Moment für den Schlussstrich gekommen“, sagt Veronika Stoertzenbach. Für ihren Abschied 2020 hat sie das Requiem von Giuseppe Verdi vorgesehen, das sie als „musikalischen Volltreffer“ bezeichnet. Als Eröffnung davor wird ein von ihr komponiertes Stück zur Aufführung kommen – als Abschiedsgeschenk an ihre Ensembles. Das Motiv und das Konzept stehen schon, und Veronika Stoertzenbach verrät: „Experimentell wird es werden.“

Zum Seitenanfang