Information für Lehrende, Prüfungsausschüsse und Beratende

Behinderte und chronisch kranke Studierende unterstützen

Die Beauftragte für Studierende mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen hilft und berät Lehrende und Prüfungsausschüsse bei der Unterstützung von behinderten und chronisch kranken Studierenden ihrer Studiengänge.

 

In dem Anliegen betroffene Studierende zu unterstützen, bietet die Behindertenbeauftragte Ihnen als Lehrende, Prüfungsausschüsse und Beratende Unterstützung an. Sie hilft Ihnen bei der Umsetzung von Nachteilsausgleichen aber auch in anderen Situationen, bei denen Sie Unterstützung benötigen. Auf dieser Seite finden Sie entsprechende Informationen.

Informationen für Lehrende und Prüfungsausschüsse

Die Zahl der behinderten oder chronisch kranken Studierenden liegt laut der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks von 2012 bei 14% aller Studierenden. Bei 7% aller Studierenden wirkt sich nach eigenen Aussagen die Behinderung oder chronische Krankheit stark oder sehr stark auf ihr Studium aus. Das heißt für die Universität Stuttgart: gut 2000 Studierende haben eine studienerschwerende Behinderung oder chronische Erkrankung. Nur bei den wenigsten Studierenden mit Behinderung oder chronischer Erkrankung ist die Beeinträchtigung für Außenstehende auf den ersten Blick wahrnehmbar (6% der behinderten Studierenden, laut best-Umfrage (best =„behindert studieren“) des Deutschen Studentenwerks von 2011).

Mit der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) von 2004 hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden: vom früher üblichen Fürsorgeprinzip hin zur gleichberechtigten Teilhabe und Inklusion behinderter Menschen in allen Lebensbereichen. Die Bundesrepublik Deutschland hat die UN-BRK im Jahr 2009 ratifiziert, und nach und nach die Behindertengesetzgebung in Deutschland hinsichtlich Leben, Bildung und Arbeiten beträchtlich verbessert. In allen nachfolgenden Bundes- und Landesgesetzen steht sinngemäß, dass die Lebens- und Arbeitsbedingungen, beispielsweise  Gebäude, so herzustellen sind, dass behinderte und chronisch kranke Menschen die Einrichtungen „ohne fremde Hilfe“ oder zumindest „möglichst ohne fremde Hilfe“ nutzen können. Dies gilt auch für die Hochschulen und das Studium. Im Hochschulrahmengesetz (§2 Aufgaben, §16 Satz 4 Prüfungsordnungen) und im Landeshochschulgesetz Baden-Württemberg (§2 Aufgaben) wird festgelegt, dass auf die Belange dieser Studierendengruppe besonders zu achten ist.

In Bezug auf die Hochschulen  werden diese Gesetze von der HRK und von der Landesregierung konkretisiert: Die HRK hat bereits 2009 eine Empfehlung erarbeitet,  die „eine Hochschule für Alle“ und die Selbstverpflichtung aller Hochschulen bezüglich der Umsetzung der UN-BRK vorsieht. Die Landesregierungen – auch die baden-württembergische – haben mittlerweile Aktionspläne entwickelt, die alle Bereiche des Lebens in unserem Land betreffen. Für die Hochschulen relevant sind die Kapitel 3 „Bildung, Fort- und Weiterbildung“, Kapitel 5 „Arbeit und Beschäftigung“ und das Kapitel 7 „Barrierefreiheit“.

Barrierefreiheit bedeutet, dass die Studierenden die Einrichtungen und Angebote der Universität möglichst ohne fremde Hilfe in Anspruch nehmen können. Komplette Barrierefreiheit im baulichen und technischen Sinn wird man an einer Universität mit 160 Gebäuden, die zumeist Altbauten sind, nicht innerhalb einer absehbaren Zeit erreichen. Der AK Barrierefreier Campus arbeitet mit Hilfe der Universitätsangehörigen daran, dass die Universität in baulicher Hinsicht Schritt für Schritt barrierefreier wird.

Barrierefreiheit bzw. Teilhabe heißt aber auch, dass im organisatorischen und strukturellen Bereich den Studierenden mit Behinderungen ein chancengleiches Studium ermöglicht wird. Das bedeutet, dass die ihnen durch ihre Behinderung oder chronische Krankheit entstandenen Nachteile im Studium und in Prüfungen ausgeglichen werden müssen. Zudem sind ihre individuellen, behinderungsbedingten Bedarfe und Situationen in Lehrveranstaltungen, wie zum Beispiel bei der Vor- und Nachbereitung des Studienmaterials, zu berücksichtigen.

Wie können Sie behinderte und chronisch kranke Studierende in Ihrem Studiengang unterstützen?

Erfahrungsgemäß sprechen viele Studierende mit Beeinträchtigungen ihre Behinderung oder Krankheit nicht frühzeitig an. Das gilt gerade für Studierende mit einer nicht-sichtbaren Behinderung. Viele versuchen über viele Semester als „normal“ durchs Studium zu gehen, bis oft nur noch ein einziger Prüfungsversuch bleibt oder der Prüfungsanspruch schon verloren ist. Sie verspielen aus Angst, im Studiengang über Ihre Beeinträchtigung zu sprechen, wertvolle Zeit und Chancen auf ihren Studienerfolg. Diese Studierenden wissen oft nicht, dass die Gesetzeslage hier eindeutig ist und ihre behinderungsbedingten Nachteile ausgeglichen werden können.

Sie helfen behinderten und chronisch kranken Studierenden sehr, wenn Sie Gesprächsbereitschaft signalisieren und sich in einem Gespräch für sie Zeit nehmen. Zeigen Sie, dass das Thema Behinderung und chronische Erkrankung für Sie kein Tabu ist, sondern ein Thema, bei dem Lösungen gefunden werden können.

Beratung und Unterstützung für Sie

Sie können sich, wie die Studierenden auch, bei der Behindertenbeauftragten Unterstützung holen. Sie erhalten Informationen, welche Nachteilsausgleiche Sie geben dürfen oder welche in bestimmten Situationen angebracht sein können. Sie werden in der Frage unterstützt, wie Sie bestimmte Nachteilsausgleiche gewähren können, ohne befürchten zu müssen, dass eine Vorteilsnahme entsteht. Des Weiteren kann Ihnen bei der Einschätzung bestimmter Behinderungen oder Krankheiten und deren Auswirkungen geholfen werden. Auch die Teilnahme der Beauftragten an einem Beratungsgespräch mit Studierenden ist, sofern gewünscht, möglich.

Assistenzen und technische Hilfsmittel

Studierende können „behinderungsbedingte, ausbildungsgeprägte Mehrbedarfe“ mit Leistungen der Eingliederungshilfe nach SGB XII finanzieren, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Wenn Sie Studierende in Ihrem Studiengang haben, die eine Assistenz oder  Hilfsmittel benötigen, können wir Sie und die Studierenden darin unterstützen und zur Finanzierung beraten. Hier stehen Ihnen die Behindertenbeauftragte  sowie Frau Karin Weimer vom Dezernat III als Ansprechpartnerinnen zur Verfügung.

Hilfreiche Links für Lehrende

Im Folgenden werden für Sie  nach und nach hilfreiche Links eingestellt – zum Beispiel zur Gesetzeslage, mit konkreten Informationen zu bestimmten Behinderungen und ihren Auswirkungen und zu weiteren Informationsmöglichkeiten.

Generell sind die Informationsseiten der „Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung“(IBS) des Deutschen Studentenwerks sehr zu empfehlen.

Informationen und didaktische Hinweise für Lehrende

Dieses Bild zeigt Eicken
Dipl.-Ing.agr., M.Sc.

Sigrid Eicken

Beauftragte für Studierende mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen

Dipl.-Päd.

Jeannette von Wolff

Stellvertretung Behindertenbeauftragte