Information für Lehrende, Prüfungsausschüsse und Beratende

Behinderte und chronisch kranke Studierende unterstützen

Mittels Gesprächsbereitschaft, Nachteilsausgleichen und Assistenzen können Sie behinderte oder chronisch kranke Studierende unterstützen. Die Behindertenbehauftragte berät Sie dazu.

Studierende mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen haben einen rechtlichen Anspruch darauf, unter angemessenen Bedingungen Studienleistungen und Prüfungen chancengleich zu erbringen. Das bedeutet, dass die ihnen durch ihre Behinderung oder chronische Krankheit entstandenen Nachteile im Studium und in Prüfungen ausgeglichen werden müssen. Zudem sind ihre individuellen, behinderungsbedingten Bedarfe und Situationen in Lehrveranstaltungen, wie zum Beispiel bei der Vor- und Nachbereitung des Studienmaterials, zu berücksichtigen.

Schwerbehindertenvertretung für Beschäftigte

Wie können Sie behinderte und chronisch kranke Studierende in Ihrem Studiengang unterstützen?

Gesprächsbereitschaft

Erfahrungsgemäß sprechen viele Studierende mit Beeinträchtigungen ihre Behinderung oder Krankheit nicht oder nicht frühzeitig an. Das gilt gerade für Studierende mit einer nicht-sichtbaren Behinderung. Viele versuchen über viele Semester als „normal“ durchs Studium zu gehen, bis oft nur noch ein einziger Prüfungsversuch bleibt oder der Prüfungsanspruch schon verloren ist. Sie verspielen aus Angst, im Studiengang über Ihre Beeinträchtigung zu sprechen, wertvolle Zeit und Chancen auf ihren Studienerfolg. Diese Studierenden wissen oft nicht, dass die Gesetzeslage hier eindeutig ist und ihre behinderungsbedingten Nachteile ausgeglichen werden können.

Sie helfen behinderten und chronisch kranken Studierenden sehr, wenn Sie Gesprächsbereitschaft signalisieren und sich in einem Gespräch für sie Zeit nehmen. Zeigen Sie, dass das Thema Behinderung und chronische Erkrankung für Sie kein Tabu ist, sondern ein Thema, bei dem Lösungen gefunden werden können.

Nachteilsausgleiche

Bei Nachteilsaugleichen in Prüfungen oder Fristverlängerung verweisen Sie die Studierenden bitte an den oder die Prüfungsausschussvorsitzenden ihres Fachs. Im Vorfeld kann dazu die Behindertenbeauftragte beraten.

Nachteilsausgleiche oder Anpassungen in Lehrveranstaltungen können vielfältig aussehen – je nach Behinderung oder chronischer Krankheit und persönlicher Situation. Welche Anpassungen in Lehrveranstaltungen benötigt und gewählt werden, kann in Gesprächen mit dem Betroffenen geklärt werden und kann auch ohne förmlichen Antrag umgesetzt werden.

Assistenzen und technische Hilfsmittel für Studierende

Studierende können „behinderungsbedingte, ausbildungsgeprägte Mehrbedarfe“ mit Leistungen der Eingliederungshilfe nach SGB XII finanzieren, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Wenn Sie Studierende in Ihrem Studiengang haben, die eine Assistenz oder Hilfsmittel benötigen, können wir Sie und die Studierenden darin unterstützen und zur Finanzierung beraten. Hier stehen Ihnen die Behindertenbeauftragte sowie Frau Karin Weimer vom Dezernat III als Ansprechpartnerinnen zur Verfügung.

Anlaufstellen und relevante Themen für Studierende und Studieninteressierte mit Behinderung oder chronischer Erkrankung

Für Studierende und Studieninteressierte stehen neben der Behindertenbeauftragten auch die Zentrale Studienberatung und das Studierendenwerk Stuttgart als Anlaufstellen zur Verfügung. Gerne können Sie die Studierenden an diese Stellen verweisen oder sich bei entsprechenden Fragen selbst an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wenden. Eine ausführliche Beschreibung des Beratungsangebots finden Sie auf der Beratungsseite für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung.

Der AK Barrierefreier Campus arbeitet daran, dass die Universität in baulicher Hinsicht Schritt für Schritt barrierefreier wird. Er stellt Informationen zur Barrierefreiheit zu über 50 Universitätsgebäuden zur Verfügung.

 

Beratungsseite für Studierende

Themen, die Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung betreffen, sind unter anderem die bereits oben erwähnten Nachteilsaugleiche bei Studien- und Prüfungsleistungen, Barrierefreiheit und (technische) Unterstützung im Studienalltag wie z.B. Ruheräume. Welche Unterstützungsangebote die Universität Stuttgart anbietet, können Sie auf unserer Seite für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung nachlesen.

Bereits in der Bewerbungsphase können Studienbewerberinnen und Studienbewerber die Beratungsangebote in Anspruch nehmen.

 

Formale und praktische Unterstützung für Studierende

Beratung und Unterstützung für Sie

Sie können sich, wie die Studierenden auch, bei der Behindertenbeauftragten Unterstützung holen. Frau Eicken berät und unterstützt Sie bei Themen wie

  • welche Nachteilsausgleiche Sie geben dürfen oder welche in bestimmten Situationen angebracht sein können
  • wie Sie bestimmte Nachteilsausgleiche gewähren können, ohne befürchten zu müssen, dass eine Vorteilsnahme entsteht
  • der Einschätzung bestimmter Behinderungen oder Krankheiten und deren Auswirkungen

Auch die Teilnahme der Beauftragten an einem Beratungsgespräch mit Studierenden ist, sofern gewünscht, möglich.

Generell sind die Informationsseiten der „Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung“(IBS) des Deutschen Studentenwerks sehr zu empfehlen.

Informationen und didaktische Hinweise

Statistik und rechtliche Grundlagen

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Die Zahl der behinderten oder chronisch kranken Studierenden liegt laut der 21 Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks von 2016 bei 15% aller Studierenden. Bei 11% aller Studierenden wirkt sich nach eigenen Aussagen die Behinderung oder chronische Krankheit stark oder sehr stark auf ihr Studium aus. Das heißt für die Universität Stuttgart: Rund 2700 Studierende haben eine studienerschwerende Behinderung oder chronische Erkrankung. Nur bei den wenigsten Studierenden mit Behinderung oder chronischer Erkrankung ist die Beeinträchtigung für Außenstehende auf den ersten Blick wahrnehmbar (4% der behinderten Studierenden, laut best2-Studie (best =„behindert studieren“) des Deutschen Studentenwerks von 2016).

Mit der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) von 2004 hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden: vom früher üblichen Fürsorgeprinzip hin zur gleichberechtigten Teilhabe und Inklusion behinderter Menschen in allen Lebensbereichen. Die Bundesrepublik Deutschland hat die UN-BRK im Jahr 2009 ratifiziert, und nach und nach die Behindertengesetzgebung in Deutschland hinsichtlich Leben, Bildung und Arbeiten erheblich verbessert. In allen nachfolgenden Bundes- und Landesgesetzen steht sinngemäß, dass die Lebens- und Arbeitsbedingungen, beispielsweise Gebäude, so herzustellen sind, dass behinderte und chronisch kranke Menschen die Einrichtungen „ohne fremde Hilfe“ oder zumindest „möglichst ohne fremde Hilfe“ nutzen können. Dies gilt auch für die Hochschulen und das Studium. Im Hochschulrahmengesetz (§2 Aufgaben, §16 Satz 4 Prüfungsordnungen) und im Landeshochschulgesetz Baden-Württemberg (§2 Aufgaben) wird festgelegt, dass auf die Belange dieser Studierendengruppe besonders zu achten ist.

In Bezug auf die Hochschulen werden diese Gesetze von der HRK und von der Landesregierung konkretisiert: Die HRK hat bereits 2009 eine Empfehlung erarbeitet, die „eine Hochschule für Alle“ und die Selbstverpflichtung aller Hochschulen bezüglich der Umsetzung der UN-BRK vorsieht. Die Landesregierungen – auch die baden-württembergische – haben mittlerweile Aktionspläne entwickelt, die alle Bereiche des Lebens in unserem Land betreffen. Für die Hochschulen relevant sind die Kapitel 3 „Bildung, Fort- und Weiterbildung“, Kapitel 5 „Arbeit und Beschäftigung“ und das Kapitel 7 „Barrierefreiheit“.


Gesetzliche Grundlagen und Umsetzung der UN-BRK

Dieses Bild zeigt Eicken
Dipl.-Ing.agr., M.Sc.

Sigrid Eicken

Beauftragte für Studierende mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen

Dieses Bild zeigt von Wolff
Dipl.-Päd.

Jeannette von Wolff

Stellvertretung Behindertenbeauftragte