Datum: 26. Juni 2020, Nr. 41

Weiterer Aufbau der Nationalen Forschungsdaten­infrastruktur (NFDI) durch Bund und Länder

Förderungen von NFDI-Konsortien unter Beteiligung der Universität Stuttgart
[Bild: HLRS/Uwe Wössner]

Mit dem Aufbau und der Förderung der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) wollen Bund und Länder unter dem Dach der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) das Potenzial von Forschungsdaten für die Wissenschaft in Deutschland besser nutzbar machen. Die NFDI soll Standards im Datenmanagement setzen und als digitaler, regional verteilter und vernetzter Wissensspeicher Forschungsdaten nachhaltig sichern und nutzbar machen. Am 26. Juni 2020 hat nunmehr die GWK auf der Grundlage einer Empfehlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) über die Förderung von NFDI-Konsortien entschieden. Bei zwei künftig geförderten Konsortien ist die Universität Stuttgart mitantragstellend beteiligt.

Prof. Wolfram Ressel, Rektor der Universität Stuttgart, sagte nach der GWK-Förderentscheidung: „Die beiden erfolgreichen Konsortialbeteiligungen der Universität Stuttgart leisten einen wesentlichen Beitrag dafür, dass wir in Deutschland das Forschungsdatenmanagement gleichermaßen professionell und effizient aufbauen können. Sie zeigen zudem, dass die Universität Stuttgart ihre Forschungsstrategie auf nationaler Ebene einbringt, für eine globale Nutzung offenlegt und nutzerfreundlich standardisiert.“

Im Rahmen einer Ausschreibung waren insgesamt 22 Anträge für NFDI-Verbünde bei der DFG eingegangen, neun wurden von einem Expertenkreis zur Förderung empfohlen. An den Anträgen waren insgesamt 142 verschiedene Einrichtungen antrag- bzw. mitantragsstellend beteiligt.

Die Konsortialbeteiligungen der Universität Stuttgart:

Netzwerk „NFDI4Ing“: Nationale Forschungsdaten­infrastruktur für die Ingenieurwissenschaften

Der Verbund, der von der RWTH Aachen University und der Technischen Universität Darmstadt initiiert wurde, war von acht Universitäten sowie drei weiteren Forschungsinstitutionen beantragt worden.

Auch die Ingenieurwissenschaften sind gefordert, Forschungsdaten von hoher Qualität und Nutzbarkeit nachhaltig bereitzustellen und zu pflegen, um zu überzeugenden Lösungen gesellschaftlicher Zukunftsfragen und drängender ökologischer und ökonomischer Herausforderungen beizutragen. Das jetzt geförderte Konsortium NFDI4Ing hat sich zum Ziel gesetzt, ein effektives Forschungsdatenmanagement (FDM) zu etablieren, das zugleich die Transparenz und Nachvollziehbarkeit ingenieurwissenschaftlicher Forschungsergebnisse stärkt.

Prof. Bernd Flemisch, Mitglied des Lenkungskreises des Konsortiums und Senior Participating Researcher im Exzellenzcluster SimTech der Universität Stuttgart, kommentierte nach der Bekanntgabe der Förderung: „Ich freue mich sehr über die positive Entscheidung der GWK zur Förderung des Konsortiums NFDI4Ing. Als mitantragstellende Einrichtung können wir unsere in mehrjähriger Zusammenarbeit von Forschenden und Infrastrukturpartnern aufgebaute FDM-Expertise einbringen und das Stuttgarter Forschungsdatenkompetenzzentrum FoKUS weiter stärken. Mein Ziel ist es, möglichst viele Stuttgarter Ingenieur*innen in Pilotprojekten für die vielfältigen Maßnahmen der NFDI4Ing zu begeistern, um langfristig allen Wissenschaftler*innen die Nachvollziehbarkeit ingenieurwissenschaftlicher Forschungsprozesse zu ermöglichen. Gerade die von mir koordinierte Task Area ‚Engineering Research Software‘ bietet sich dafür im Umfeld unserer beiden Exzellenzcluster hervorragend an.“

Netzwerk NFDI4cat: Nationale Forschungsdateninfrastruktur für Katalyse bezogen Wissenschaften

Das NFDI4Cat-Konsortium möchte die Katalyseforschung im digitalen Zeitalter neu definieren und neue Facetten der digitalen Befähigung hinzufügen. Die zentrale Herausforderung ist ein grundlegend verbessertes Verständnis in den Katalyse-Wissenschaften, die Schaffung von Arbeitsabläufen in der Katalyse, die eine Brücke zwischen Theorie / Simulation und experimentellen Studien zum Design, zur Charakterisierung und Kinetik von Katalysatoren und den damit verbundenen technischen Aspekten schlagen. Diese Herausforderung erfordert auch eine einheitliche Sicht auf alle Katalyse-Disziplinen, um universelle Leitprinzipien aufzudecken, die der homogenen, biologischen, heterogenen und Elektrokatalyse gemeinsam sind. Diese Vereinigung kann nur erfolgreich sein, wenn jedem*r Katalyseforscher*in das volle Potenzial der aufkommenden datenwissenschaftlichen Technologie zugänglich gemacht wird.

Das Konsortium bemüht sich um die Realisierung der „digitalen Katalyse“ entlang einer Wertschöpfungskette von Daten, die sich von „Molekülen bis zu chemischen Prozessen“ orientieren. Diese datenbasierte Wertschöpfungskette hat ein nicht virtuelles Analogon und wird daher als ehrgeizig angesehen, hat jedoch einen hohen inneren Wert und ermöglicht ein hohes Maß an Nachhaltigkeit.

 (c) HLRS/Uwe Wössner
Eine Computersimulation in der CAVE des Höchstleistungsrechenzentrums (HLRS) der Universität Stuttgart.

Prof. Michael Resch, Direktor des Höchstleistungsrechenzentrums der Universität Stuttgart und Mitantragsteller, kommentierte die Förderentscheidung der GWK: „Wir freuen uns, dass das Konzept von NFDI4cat die wissenschaftlichen Gutachtergremien überzeugt hat. Die Universität Stuttgart und das HLRS können sich damit im Kreis der NFDI-Konsortien als nationaler Leuchtturm im Forschungsdatenmanagement etablieren.“

Bund und Länder beabsichtigen, insgesamt bis zu 30 Konsortien zu fördern. Für die Finanzierung von direkten Projektkosten der Konsortien steht ein Förderbudget von jährlich etwa 90 Millionen Euro zur Verfügung. Für einzelne Konsortien sind pro Jahr in der Regel 1,6 bis 3,9 Millionen Euro für direkte Projektkosten vorgesehen. Weitere Ausschreibungsrunden sind geplant.

Netzwerk „NFDI4Ing“: Nationale Forschungsdateninfrastruktur für die Ingenieurwissenschaften https://nfdi4ing.de 

Netzwerk NFDI4cat: Nationale Forschungsdateninfrastruktur für Katalyse bezogen Wissenschaften http://gecats.org/NFDI4Cat.html

Kontakt

Hans-Herwig  Geyer
Dr.

Hans-Herwig Geyer

Leitung Hoch­schul­kommu­ni­ka­tion und Presse­sprecher

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