1. Februar 2021

Vielfältiger Einsatz von Carbonfasern

Die Firmengründer und wissenschaftlichen Mitarbeiter des Instituts für Flugzeugbau (IFB) an der Universität Stuttgart, Markus Blandl, Gerd Falk und Steffen Müller nutzen ihre Neuentwicklung von Faserverbundwerkstoffen zur Herstellung verschiedenster Dinge, von Flugzeugteilen über Lampen bis zu Lautsprechern.

Der Luft- und Raumfahrtingenieur Markus Blandl – „ein Kind der Uni Stuttgart“ – steht kurz vor dem Abschluss seiner Promotion. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter am IFB hat er unter anderem auch an einem Projekt mit Airbus gearbeitet.
Gerd Falk, der an der Hochschule Coburg Integriertes Produktdesign studiert hat, kam 2007 ans Institut für Flugzeugbau, wo er unter anderem an der Entwicklung neuer Aushärte­verfahren für Faserverbundwerkstoffe mitarbeitet und zum Management des Spitzenclusters MAI-Carbon – Composites United e. V. zählt.

Flugzeugteile, Lampen, Zwerge, Lautsprecher, Orthesen, Ringe – und damit nicht genug. Bei der Innfa GmbH in Stuttgart wird seit 2012 Vielfältigkeit in Kombination mit Hightech großgeschrieben. Grundlage all der kreativen Ideen, mit denen die Firmengründer Markus Blandl, Gerd Falk und Steffen Müller spezielle Lösungen für die unterschiedlichsten Anwendungsprobleme ihrer Kunden entwickeln, sind Faserverbundwerkstoffe.

Die beiden Innfa-Geschäftsführer Blandl und Falk waren zunächst am Institut für Flugzeugbau an der Universität Stuttgart tätig. Seit einiger Zeit haben sie dort ihre Stellen als wissenschaftliche Mitarbeiter reduziert und bringen ihr Know-how in Sachen Leichtbau und Faserverbund nun in das eigene Unternehmen und in die Forschung ein. 

Imprägnieren sorgt für neue Einsatzmöglichkeiten

Die enorm breite Anwendungs- und Einsatzpalette von Faserverbundwerkstoffen haben es Blandl und Falk angetan. Wenn leichte, platzsparende, aber dennoch robuste Werkstoffe gefragt sind, wie etwa im Flugzeug- oder Automobilbau, haben sich diese Hightech-Materialien schon etabliert. Was diese auf bisher eher unbekanntem Terrain, wie etwa in der Akustik oder bei Beleuchtungssystemen zu leisten vermögen, das rücken die Innfa-Gründer in den Fokus. Ihrer Kreativität kommt es entgegen, dass sie eine neue Technologie entwickelt haben. Mit ihr lassen sich die Carbonfasern ohne aufwendige Anlagetechnik schnell und einfach imprägnieren und beim anschließenden Abwickeln von der Spule problemlos einfach in jeder gewünschten Form verarbeiten.

Neue Technologie verhindert spröde Carbonfasern

Mittels der sogenannten T-Preg Technologie haben die Tüftler unter anderem eine Autokarosserie für ihre Messeauftritte erstellt, und auch die Zwerge für die Bundesgartenschau in Heilbronn wurden von ihren Spulen gewickelt. „Trockene und damit spröde, bruchgefährdete Stellen an den Carbonfasern gibt es bei unserer Technik nicht“, betont Gerd Falk und ergänzt: „Zudem ist die Verarbeitung sauber, und wir konnten die Prozesskosten stark reduzieren.“ Angefragt ist ihre Technik derzeit auch für Wasserstofftanks, die so dünnwandiger, leichter und günstiger hergestellt werden können.

Imprägnierte Carbonfaser
Rohform eines Zwerges auf der Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn.

Begeisterung für Hightech-Materialien

„Selbermachen“ ist die Devise von Markus Blandl und Gerd Falk. Auf Fördergelder haben sie verzichtet, als sie ihr Unternehmen gründeten. Auf die Beratung und vielen Tipps der Technologie-Transfer-Initiative GmbH der Universität Stuttgart (TTI) – eine der beiden Anlaufstellen für Gründungsinteressierte von der Uni – haben sie jedoch gerne zurückgegriffen. Inzwischen hätten die Gründer mit interessierten Partnern schon expandieren können. „Dafür hätten wir uns aber voll auf ein Projekt konzentrieren und uns von all den anderen Dingen verabschieden müssen“, sagt Markus Blandl. Dafür sei die Zeit jedoch noch nicht reif. Vielleicht könne man sich ja auch so am Markt behaupten. Die Entscheidung zwischen Spule, Lampe, Lautsprecher & Co falle nämlich nicht leicht, und die Freiheit, mit den unterschiedlichsten Kunden immer wieder neue Dinge zu entdecken, die mittels der spannenden Eigenschaften von Carbonfasern möglich sind, mache einfach auch viel Spaß.

Es ist toll, was die Carbonfasern alles können!

Markus Blandl, wissenschaftlicher Mitarbeiter am IFB und Geschäftsführer der Innfa GmbH
Carbonfasern werden zu einer filigranen Leuchte.
Der Pappkarton mit Carbonspinne als Lautsprecher.

So können Carbonfasern beispielsweise Strom leiten, was Falk und Blandl bei einer super leichten, filigranen, von einem Blatt inspirierten Leuchte nutzen. Die auf eine Trägerfläche aufgestickten Fasern werden dank aufgeklebter LEDs zu leuchtenden Blattadern. „Es ist toll, was die Carbonfasern alles können“, schwärmt Markus Blandl. Ihre hohe Steifigkeit ermöglicht es ihnen auch, Schallwellen nahezu verlustfrei zu transportieren. Ein simpler Schuhkarton wird so zusammen mit Vibro-Speakern und Bluetooth-Ansteuerung zum eindrucksvollen Surroundsystem. Bango heißt der unverwechselbare Lautsprecher, der einer sechsfüßigen Spinne gleicht, die im Innern des Kartons an einer Wand klebt. „Für Veranstaltungen aller Art ist unsere Carbonspinne optimal, da sie aus leicht zu transportierenden Pappkartons Lautsprecher mit bester Klangqualität macht. Zudem wird wenig Strom verbraucht“, führt Gerd Falk aus. „Mit eigenen Produkten und Entwicklungen, wie dem Bango versuchen wir vor allem die enormen Vorteile von Faserverbund-Technologien auch in bisher eher unbekanntem Terrain, wie der Akustik, in den Fokus zu rücken“, so Markus Blandl.

Einrichtungen für Gründungsinteressierte

Gründungsinteressierte können sich an die TTI oder, insbesondere für eine Erstberatung, an das Projekt Exi+, das am Institut für Entrepre­neur­ship und Innovations­forschung angesiedelt ist, wenden.

Patentanmeldung

Für die Faserimprägnierung haben die Forscher zusammen mit der Abteilung Wissens- und Technologie­transfer des Dezernats 1 die Patentanmeldung erarbeitet. Diese bildet die Grundlage vieler Aufträge. Das Patent wurde von der Universität auch für mehrere europäische Länder und den USA angemeldet. 

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