6. Stuttgarter Seiltage

Hightech-Fasern auf dem Vormarsch.

„Next Generation“ lautete das Motto der 6. Stuttgarter Seiltage, an denen auf Einladung des Instituts für Fördertechnik und Logistik (IFT) der Universität Stuttgart rund 120 Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Industrie teilnahmen. Gemeint waren nicht nur Meilensteine in der Seilforschung, sondern auch die künftige Ausrichtung des Instituts.

Hochmodulare Faserseile

„Die Zukunft der Seilforschung gehört den hochmodularen Faserseilen, die in immer mehr Bereichen die klassischen Stahlseile ersetzen“, erklärte Institutsleiter Prof. Karl-Heinz Wehking in seinem Einführungsvortrag. Zwar habe es bei diesem Seiltyp in punkto Festigkeit, Gewicht und Biegeverhalten in den vergangenen Jahren beachtliche Fortschritte gegeben. Doch nach wie vor bestehe ein großer Bedarf an Grundlagenforschung, der – zum Beispiel im Bereich der Endverbindungen – die Anwendungen beeinflusst.

Faserseile waren denn auch eines der zentralen Themen der 15 Fachvorträge. So stellten Dr. Björn Ernst von der Teufelberger Fibre Rope GmbH und Dr. Ilaka Mupende von Liebherr Components ein hochfestes Faserseil vor, das erstmals als Hubseil in Kranen eingesetzt werden kann und nur ein Fünftel eines konventionellen Stahlseils wiegt. Seitens des IFT sprachen Dr. Gregor Novak über die Abschätzung der Lebensdauer hochmodularer Faserseile, Dominik Herrmann und Marco Testa über den Einfluss von Krümmungsradien auf die Tragfähigkeit von Anschlagmitteln.

Innovative Seil- und Netztechnologien

Marcus Hansch erläuterte eine bildgebende Methode, mit der man erkennen kann, wann hochfeste Faserseile die Verschleißgrenze erreicht haben und abgelegt werden müssen. Die neuen, automatisierten Verfahren basieren auf Messsystemen direkt am Seil und softwaregestützten Bildanalysen. Sie erlauben ein kontinuierliches Monitoring auch bei Anlagen im 24-Stunden-Betrieb, die nicht für Prüfintervalle stillstehen dürfen. Darüber hinaus kam eine Vielzahl praktischer Fragestellungen zur Sprache – von Kran- und Seilbahnseilen über den Steinschlagschutz mit innovativen Seil- und Netztechnologien bis hin zu Seilbrüchen im Bergsport.

Die Besichtigung der Prüfstände am IFT gehörte zu den Höhepunkten der Stuttgarter Seiltage. (c) IFT
Die Besichtigung der Prüfstände am IFT gehörte zu den Höhepunkten der Stuttgarter Seiltage.

Neue Maschinen und Prüfstände

Die Weiterentwicklung der Forschung erfordert neue Maschinen und Prüfstände. Die jüngsten Investitionen konnten die Tagungsteilnehmer bei einem Rundgang durch die Institutsräume in Augenschein nehmen. Viel bestauntes Highlight war dabei eine große Zugschwellprüfmaschine, die im Rahmen eine DFG-Forschungsprojekts zur Analyse der Lebensdauer von großen verdrehten Drahtseilen, zum Beispiel für Offshore-Plattformen, genutzt wird.

Aber auch personell ist das Institut dabei, die Weichen neu zu stellen. So wurden mit Dr. Gregor Novak (Abteilungsleiter Seiltechnologie), Stefan Hecht (Arbeitsgruppe Zerstörende Prüfung), Ralf Eisinger (Arbeitsgruppe Zerstörungsfreie Seilprüfung) und Franziska Schloz (Abteilungsleiterin Logistik) gleich vier Führungspositionen neu besetzt. Noch offen ist die Nachfolge von Institutsleiter Prof. Wehking, der 2020 in den Ruhestand zu gehen plant.

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