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Finale beim Reallabor für nachhaltige Mobilitätskultur

Unter dem Motto „Stuttgart in Bewegung“ hatte das Reallabor für nachhaltige Mobilitätskultur vom 21. bis 23. September im und um den Hospitalhof in Stuttgart zur Abschlussveranstaltung geladen mit einer Ausstellung, Diskussionen, einer Fachtagung des Umweltbundesamtes und einem Quartiersfest.

Das neue Forschungsformat „Reallabor“ bringt Wissenschaft und Zivilgesellschaft bei Realexperimenten zusammen, um so aktiv Veränderungsprozesse anzustoßen. „Die Menschen werden nicht ‚beforscht‘, sie handeln mit“, erklärt Prof. Antje Stockmann, die bis Juli 2017 das Institut für Landschaftsplanung und Ökologie an der Uni Stuttgart leitete und Sprecherin des Reallabors für nachhaltige Mobilitätskultur ist. „Gemeinsam haben wir Daten zusammengetragen, die es sonst so nicht geben würde“, betont sie. Aufgrund des hohen Grads an Partizipation wurde das Reallabor nicht nur vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, sondern auch vom Umweltbundesamt gefördert – insgesamt mit etwas über einer Million Euro.

Beim Reallabor für nachhaltige Mobilitätskultur gingen Wissenschaftler von sieben Instituten der Universität Stuttgart zusammen mit vielen Kooperationspartnern der Frage nach: Wie wäre es, wenn sich in Stuttgart eine andere Mobilitätskultur entwickeln würde? Zum Abschluss präsentierten sich im Hospitalhof die beteiligten Projekte. Da sind zum einen die Parklets, die ein großes Presseecho hervorriefen. Aus 16 Parklätzen in Stuttgart waren dabei für drei Monate elf Plätze für Treffen, zum Spielen und Gärtnern geworden, und sie hatten hitzige Diskussionen darüber aufgeworfen, wem eigentlich der öffentliche Raum gehört. Das Parklet am Schützenplatz hat inzwischen zur Gründung eines Vereins geführt, der sich der Umgestaltung des Platzes annehmen will.

„Gleich der Akupunktur geben die Reallabore Impulse, sensibilisieren das Bewusstsein und tragen dazu bei, Dinge anders zu sehen und anzugehen“, sagt Dr. Elke Uhl vom Internationalen Zentrum für Kultur- und Technikforschung der Universität Stuttgart, das am Reallabor beteiligt war. Gerade bei so komplexen Systemen wie etwa dem Klimawandel seien neue Forschungsformate wie die Reallabore wichtig.

Von Stäffele über Bürger-Rikscha bis Lastenrat

Die Stäffele-Gallery regte dazu an, die Stuttgarter Stäffele als Nachbarschaftsraum zu entdecken – entstanden ist ein „Kochbuch“ für deren nachhaltige Nutzung. Mit der Bürger-Rikscha legten Jung und Alt zusammen im Verlauf von drei Monaten bei 251 Fahrten 1868 Kilometer zurück – dabei stieg die Lebensqualität der Senioren, denen so mehr soziale Teilhabe möglich wurde. Das Projekt Freies Lastenrad Stuttgart beschäftigte sich schließlich mit den Möglichkeiten und Potenzialen der Lastenradnutzung in Stuttgart.

Mit dem Reallabor habe man einen lebendigen Diskurs über die Zukunft der Mobilität in Stuttgart angestoßen und mit dazu beigetragen, die Skepsis gegenüber Forschung und Wissenschaft abzubauen, sagte Prof. Wolfram Ressel, der Rektor der Universität Stuttgart, und befand: „Ein großartiges Forschungsprojekt.“ Dr. Helmut Messer vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg lobte: „Es wurden mit Bravour Impulse gesetzt“. Zudem bescheinigte er dem Reallabor gute Chancen bei der aktuellen Ausschreibung zur Anschlussfinanzierung für die sieben besten Reallabore.

Stuttgart, Mobilität & Wir

Beim interaktiven Podiumsgespräch „Stuttgart, Mobilität & Wir“ lieferten sich unter der Moderation von Prof. Wolfgang Schlicht, der den Lehrstuhl für Sport- und Gesundheitswissenschaften an der Universität Stuttgart innehat, vier Akteure aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Bürgerschaft eine spannende Diskussion. So schlug etwa Jan Lutz als Vertreter der Bürgerschaft vor, die Babyboomer sollten an die Hand genommen und auch vonseiten der Automobilindustrie dahingehend aufgeklärt werden, dass SUVs in der Stadt doch „totaler Quatsch sind“. Anke Kleinschmit, Leiterin Konzernforschung & Nachhaltigkeit der Daimler AG, glaubt zwar an „gravierende Änderungen“ im Mobilitätsverhalten in den Städten, betonte aber, der Wandel müsse mit mehr Attraktivität für die Nutzer einhergehen. „Mobilität wird anders – und anders, als wir es uns vorstellen“, sagte der Leiter des Referats Strategische Planung und Nachhaltige Mobilität der Landeshauptstadt Stuttgart, Dr. Michael Münter.

In letzter Minute ...

Die wichtigsten Ergebnisse und Partner des Reallabors für nachhaltige Mobilitätskultur sind noch bis 29. September auf der Mobilitätsmeile zwischen Hospitalhof und Rathaus zu sehen.

Das Finale des Reallabors - drei Tage in Bildern