Im Fokus: Mentoring und Digitalisierung

Tagung des Arbeitskreises Grundvorlesungen und Studieneingangsphase.

Die Tagung des Arbeitskreises Grundvorlesungen und Studieneingangsphase an der Universität Stuttgart hatte Anfang Juli viele Interessierte im Internationalen Begegnungszentrum im Eulenhof zusammengeführt.

Von einer ehrlichen und lockeren Atmosphäre, in der rund um die Themen Mentoring und Digitalisierung in der Lehre engagiert diskutiert werden konnte, sprach im Nachklapp der Vorsitzende des Arbeitskreises, Prof. Timo Weidl vom Lehrstuhl für Analysis und Mathematische Physik. Auch Organisator Apl.-Prof. Jens Wirth, Studiendekan Mathematik Lehramt, sah die zweite Tagung des Arbeitskreises als gelungen an. Angesichts des positiven Feedbacks der gut 40 Teilnehmenden – Mitglieder des Arbeitskreises, Lehrende von Grundvorlesungen, Studiengangsmanager und Studiendekane – befand er: „Wir können zufrieden sein.“

Der Vormittag hatte ganz im Zeichen des Mentoring an der Universität Stuttgart gestanden. Unter der Vielzahl an Angeboten wurde unter anderem das MentorING der Gemeinsamen Kommission Maschinenbau sowie das interkulturelle das fachsprachliche Mentoring vorgestellt. Mentorinnen und Mentoren stehen ihren Mentees aus dem Ausland beim Erlernen der Sprache dabei ebenso zur Seite, wie beim Kennenlernen von Campus, Stadt und der Kultur des für sie neuen Landes.

Am Nachmittag bot die Digitalisierung in der Lehre viel Diskussionsstoff. So stellte etwa Prof. Steffen König vom Lehrstuhl für Algebra und Zahlentheorie vor, wie in der mathematischen Anfängervorlesung Online-Aufgaben, die sich gezielt auf die vorausgegangene Lehrveranstaltung beziehen, den Dozentinnen und Dozenten die Chance eröffnen, von den Studierenden falsch verstandene Begriffe schnell zu identifizieren. Leider, so König, gebe es jedoch unlautere Angebote, diese Aufgaben zu lösen, was den positiven Effekt für die Studierenden schrumpfen lasse.

Sind digitale Formate per se ein Fortschritt oder nimmt man den Studierenden damit etwas ab, das sie eigentlich ohne diese Hilfsmittel lernen sollten? „Wir sehen es so, dass wir ihnen Stützräder geben, bis sie alleine fahren können“, sagte Franziska Kern. Die Ingenieurin stellte eine am Institut für Konstruktionstechnik und Technisches Design entwickelte App vor, die modulAR. Studierende können mit ihr die Konstruktionszeichnungen aus einem Bauteilkatalog mittels Tablet oder Smartphone in 3D erleben.

Dr. Simone Rehm, die Prorektorin für Informationstechnologie, betonte: „Wir sind eine Präsenzuniversität und wollen dies auch bleiben.“ (c)
Dr. Simone Rehm, die Prorektorin für Informationstechnologie, betonte: „Wir sind eine Präsenzuniversität und wollen dies auch bleiben.“

„Wir sind eine Präsenzuniversität und wollen dies auch bleiben“, betonte Dr. Simone Rehm, Prorektorin für Informationstechnologie der Universität Stuttgart. Für digitale Formate, die das Lehrziel verstärken, sei man aber offen. Das aktuell erarbeitete Leitbild für das Lehren und Lernen mit digitalen Formaten sieht unter anderem eine Verbesserung der Lehre hinsichtlich Qualität und Effizienz vor, die Absolventenquote bis 2020 um 10 Prozent zu erhöhen, und es berücksichtigt die Heterogenität der Studierenden. Die Universität sei aktuell auf dem Weg, hin zu einer E-Learning Strategie, merkte Rehm an und: „Auf die vorhandene gute Infrastruktur können wir stolz sein.“ Um die Wertschätzung für die Lehre zu erhöhen, ist ein Tag der Lehre geplant. Ein Ziel wären schließlich Digitalisierungsbeauftragte in den Fakultäten.

Dr. Michael Jetter hat in der Experimentalphysik gute Erfahrungen mit Online-Experimenten gemacht.  (c)
Dr. Michael Jetter hat in der Experimentalphysik gute Erfahrungen mit Online-Experimenten gemacht.

Dr. Michael Jetter vom Institut für Halbleiteroptik und Funktionelle Grenzflächen berichtete von guten Erfahrungen mit Online-Experimenten in der Experimentalphysik. Er setzt auf die neuen Möglichkeiten der Interaktion mit den Studierenden, wie zum Beispiel das Live Voting.

An der Hochschule für Technik Stuttgart hat Prof. Anselm Knebusch im Rahmen seiner Grundlagenvorlesung das „Computerbegleitete Lernen“ eingeführt. Der Professor im Fachgebiet Ingenieurmathematik gibt den Studierenden Selbstlernmaterialien an die Hand, die sie alleine oder im Team bearbeiten. Das ermögliche individuelle Lernwege, erklärte Knebusch, und führe zu intensiveren Gesprächen mit den Studierenden: „Die Fragen, die an mich während dem Bearbeiten der Aufgaben gestellt werden, haben an Qualität gewonnen.“

Die Digitalisierung bringe einen echten Mehrwert für die Studierenden, betonte Timo Weidl, würden doch so Dinge erst möglich, die sonst nicht machbar wären. Für die Dozentinnen und Dozenten sei deren Einsatz jedoch mit sehr viel Aufwand verbunden und er erfordere auch finanzielle Mittel. Wie auch beim Mentoring sei es aber oft nicht einfach, mit den Angeboten gerade jene leistungsschwächeren Studierenden zu erreichen, die dies am nötigsten hätten.

Kontakt

Die dritte Tagung des Arbeitskreises 2020 ist schon in Planung. Wer mehr über die Arbeit des Kreises erfahren möchte, ist herzlich vorab zu den Treffen eingeladen, so Jens Wirth. Interessierte können sich bei ihm per E-Mail melden.

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