Verdis „Messa da Requiem“ begeisterte

Veronika Stoertzenbach reicht den Dirigentenstab weiter

Es war ein beeindruckender Abschied.

Im ausverkauften Beethovensaal der Liederhalle gab die Universitätsmusikdirektorin Veronika Stoertzenbach am 2. Februar zusammen mit Akademischem Chor und Orchester der Universität Stuttgart ihr letztes Konzert. Nach über 30 Jahren verabschiedete sie sich mit keinem geringen Werk als Giuseppe Verdis „Messa da Requiem“ – und begeisterte ihr Publikum.

Gut eineinhalb Stunden zog das 1874 in Mailand uraufgeführte Requiem, das sowohl „musikalisches Gebet“ als auch „geistliche Oper“ genannt wird, die Zuhörenden in seinen Bann. Sich an der katholischen Totenmesse orientierend, greift Verdis monumentale Komposition in sieben Sätzen die Demut vor dem mächtigen Tod auf, die Schuld, das Jüngste Gericht und die Bitte um Gnade und Erlösung. Akademischer Chor und Akademisches Orchester wussten zusammen mit den Solisten für ein Wechselbad der Gefühle zu sorgen: von hoffnungsvollen, lichten Momenten bis hin zu Traurigkeit und totaler Verzweiflung.

„Ewige Ruhe gib ihnen, Herr, und ewiges Licht leuchte ihnen“ – leise, nur verhalten sang der Chor zum Einstieg, die Celli erklangen im feinsten Pianissimo. Gleich einem musikalisch aufbrausenden Orkan erfüllten dagegen Chor, Bläser, Streicher und Pauken beim „Dies irae“, dem „Tag des Zorns“, den Beethovensaal bis in den letzten Winkel. „Tag des Zornes, Tag der Sünden, wird das Weltall sich entzünden, wie Sibyll und David künden“ – es brauchte nicht viel Fantasie, um beim Kernstück des Requiems die lodernden Flammen zu sehen. Die Trompeten des Jüngsten Gerichts hatten sich dabei im Saal verteilt, erklangen noch durchdringender, als von der Bühne aus.

Die Solisten erzeugen mit ihrem Gesang tiefe Emotionen. (c)
Solisten Marie-Pierre Roy (Sopran), Diana Haller (Mezzosopran), Christian Georg (Tenor)

Tiefe Emotionen – ein Wechselbad der Gefühle

Die Solisten Marie-Pierre Roy (Sopran), Diana Haller (Mezzosopran), Christian Georg (Tenor) und der Bassist Patrick Zielke überzeugten, ob etwa aus dem Buch der Sünden vorgelesen, um die Bewahrung der Seelen der Verstorbenen gebeten oder die Ewigkeit beschworen wurde. Chor, Orchester und Solisten agierten beeindruckend sowohl im Zusammenspiel als auch alleine, wussten sowohl bei den feinen, zarten Passagen als auch beim kraftvollen Fortissimo zu überzeugen. Leise, wie sie begonnen hatte, endete die Totenmesse, die oft auch als „Verdis beste Oper“ bezeichnet wird, mit dem „Libera me“, der Bitte um die Befreiung vor dem ewigen Tod.

Nachdem die bildreiche Musik um Schmerz, Angst, Hoffnung und Glauben noch in so manchem Ohr nachklang, brach am Schluss tosender Applaus aus. Chor und Orchester hatten sich – zum letzten Mal unter der Leitung von Veronika Stoertzenbach – einer anspruchsvollen Herausforderung gestellt, diese beeindruckend gemeistert und ihr Publikum wieder einmal begeistert.

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Rektor Ressel gratuliert Veronika Stoertzenbach.

Botschafterin der Universität Stuttgart

Zwischen dem Applaus sprach der Rektor Prof. Wolfram Ressel, der scheidenden Veronika Stoertzenbach seinen Dank aus. Alle Kontinente habe sie zusammen mit Chor und Orchester der Universität Stuttgart schon bereist und dabei alle wichtigen Universitäten der Welt besucht. „Wenn es eine Botschafterin für die Universität Stuttgart gibt, dann Veronika Stoertzenbach zusammen mit Chor und Orchester“, betonte Ressel und fügte an, nicht viele Universitäten in Deutschland könnten auf so fantastische Konzerte, wie gerade gehört, und volle Konzertsäle verweisen.

„Wer hätte vor 30 Jahren vermutet, dass das Akademische Orchester und der Akademische Chor der Universität Stuttgart in der Liederhalle vor über 2000 Menschen ein Konzert geben werden?“, schreibt der Vorstand des Fördervereins von Akademischem Chor und Orchester (FACOUS) in seinem Grußwort im Programmheft. Veronika Stoertzenbach hat es geschafft. Das Niveau beider Klangkörper hat sie kontinuierlich gesteigert, die Ensembles zusammengeschweißt und mithin die Universität weit über die Grenzen von Stuttgart hinaus bekannt gemacht.

Veronika Stoertzenbach reicht den Dirigentenstab an Mihály Zeke weiter. 1982 in London geboren, studierte der Sohn ungarischer und griechischer Musikereltern Kirchenmusik und Klavier wie auch Chor- und Orchesterleitung an der Musikhochschule Stuttgart. Mihály Zeke war unter anderem Chorchef an der Oper Dijon, arbeitete als freier Dirigent und unterrichtet an Musikhochschulen.

Akademischer Chor und Orchester der Universität Stuttgart

Eindrücke vom Konzert „Messa da Requiem“ von Verdi

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