Ironman-Teilnehmer und Doktorand der Universität Stuttgart im Interview

„Pure Grenzerfahrung und reine Qual“: Wir haben mit Joachim Krauth über seine Teilnahme am Ironman, die schwersten Momente und seine Zukunftspläne gesprochen.
[Foto: Joachim Krauth]

3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und ein Marathonlauf über 42,195 Kilometer - dazu kommt Hitze, Strömung, Wind und eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Doch der wissenschaftliche Mitarbeiter Joachim Krauth hat all das bewältigt. Er hat Mitte Oktober am Ironman auf Hawaii teilgenommen. Der 29-Jährige promoviert derzeit am 4. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart zum Thema Nichtlineare Plasmonik. Wir haben mit dem gebürtigen Aalener über seine Teilnahme am Ironman gesprochen.

 (c) Joachim Krauth

Sie sind als 139. von rund 2500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ins Ziel gekommen. Herzlichen Glückwunsch! Zufrieden?

Danke, insgesamt bin ich sehr zufrieden. Mein Ziel war, es in die Top 20 aus meiner Altersklasse der 25- bis 29-Jährigen zu schaffen. Dort habe ich es auf Platz 11 von insgesamt 210 geschafft und bin glücklich darüber. 

Was war Ihr persönlich schwerster Moment während des Ironmans?
Schwer war es die ganze Zeit über. Kurz vor dem Start war ich wirklich sehr aufgeregt und auch besorgt. Teile ich meine Kräfte richtig ein? Komme ich mit den extremen Bedingungen klar? Und das Schwimmen war keine schöne Erfahrung. Diese Disziplin ist meine schlechteste. Dazu kommt ein unglaubliches Gedränge im Wasser. Ständig hat man Schläge und Tritte abbekommen. Mal wird einem der Kopf unter Wasser gedrückt und man kann keine Luft holen. Dann heißt es ruhig bleiben, bloß keine Panik. Das zu trainieren, ist aber fast unmöglich.

Nach 9 Stunden und 5 Minuten erreichte Joachim Krauth das Ziel. (c) Joachim Krauth
Nach 9 Stunden und 5 Minuten erreichte Joachim Krauth das Ziel.

Wie fühlt sich die Zielgerade an?
Die Zeit davor ist fürchterlich. Es schmerzt wirklich alles. Die letzten ein bis zwei Stunden sind reine Qual und Kopfsache. Ich habe mir gesagt: „Jetzt habe ich so lange trainiert, ich muss es durchziehen.“ Es ist die pure Grenzerfahrung. Und dann kommt die Zielgerade mit den vielen jubelnden Zuschauern und alle Schmerzen und Zweifel sind auf einen Schlag weg. Ich war total euphorisiert, wie in einer anderen Welt. Die Stimmung ist der Wahnsinn und man weiß wieder, wofür man so hart trainiert hat.

Seit wann trainieren Sie für den Ironman?
Gezielt auf den Wettkampf vorbereitet habe ich mich rund ein Jahr lang. Aber ich laufe, seit ich 15 bin. Später habe ich mich entschieden, die Herausforderung des Triathlons anzunehmen und zusätzlich Schwimmen und Radfahren trainiert. Allerdings bin ich Freizeit-Sportler und arbeite Vollzeit an der Uni.

Wie haben Sie Ihr Training mit Ihrem Beruf an der Universität Stuttgart vereinbaren können?
Das hat gut funktioniert. Ich ging fast jeden Tag morgens vor der Arbeit schwimmen, denn auch beim Ironman geht es in der Früh mit dem Schwimmen los. In der Mittagspause bin ich auf dem Sportplatz am Allmandring laufen gegangen. Der heiße Sommer war für meine Vorbereitung auf die hohen Temperaturen auf Hawaii genau richtig. Und abends war Radfahren angesagt. An den Wochenenden machte ich dann längere Trainingseinheiten.   

Und wie geht es weiter?
Während des Ironmans habe ich mir geschworen: Nie wieder! Zwei Tage später war ich mir aber sicher: Auf jeden Fall nochmal! Zwar nicht 2019, aber in den kommenden Jahren habe ich es fest vor.

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