Stuttgarter Biotechnologie-Startup candidum baut Moleküle auf Bestellung

Ein neues Enzym in 30 Tagen

2016 gegründet, nun beim CyberOne Hightech Award Baden-Württemberg aus 1000 Bewerbern unter den neun Finalisten aus drei Branchen gelandet: Das Biotechnologie-Startup candidum, das ein Absolvent der Uni Stuttgart gegründet hat, baut auf Grundlage von Big-Data-Analysen und Simulationen Enzyme im Auftrag.
[Foto: candidum]

Mit den maßgeschneiderten Enzymen bedient candidum Kunden aus industriellen biotechnologischen Bereichen wie Tierfutterhersteller oder Waschmittelproduzenten. Enzyme sind wie winzige Maschinen, die in Zellen vorkommen und mit chemischen Reaktionen Moleküle umwandeln können. Big Data, Simulation und Entwicklung sind die Arbeitsfelder, in denen candidum aktiv ist. Simulation-based enzyme engineering (SBEE) nennt sich eine der Methoden, die zum Einsatz kommt.

© candidum | Quelle: YouTube

Nach den Anforderungen der Auftraggeber vergleichen die Mitarbeitenden in Big-Data-Analysen Gensequenzen miteinander, die in Frage kommen könnten. Anschließend simulieren die Forscherinnen und Forscher am digitalen Modell, wo die Moleküle stehen müssten, damit sie sich wie gewünscht verhalten. Im dritten Schritt werden aus Genen oder Molekülen die fertigen Enzyme zusammengebaut. Dazu benötigen die derzeit sechs Mitarbeiter, unterstützt von wissenschaftlichen Hilfskräften, eine gründliche Vorarbeit, sind aber in der Entwicklung deutlich schneller, als es herkömmlich möglich wäre. Das Versprechen lautet, ein Enzym innerhalb von 30 Tagen zu entwickeln.

So entwickelt candidum ein Enzym in 30 Tagen

In 30 Tagen will candidum mithilfe von Big-Data-Analysen und Simulationen einsatzfähige Enzyme entwickeln. (c) candidum / Fotolia
In 30 Tagen will candidum mithilfe von Big-Data-Analysen und Simulationen einsatzfähige Enzyme entwickeln.
© Cyberone | Quelle: YouTube

Dr. Sven Benson gründete gemeinsam mit seinen Kollegen candidum im Jahr 2016. Zuvor hatte er an der Universität Stuttgart bei SimTech in technischer Chemie promoviert. Die wesentliche Idee, die den Businessplan preiswürdig macht, ist die Marktlücke im Bereich der Biotechnologie: Große Unternehmen können sich eigene Entwicklungsabteilungen leisten. Für kleine Unternehmen sind eigene Entwicklungen zu zeitintensiv und oft auch zu teuer.

Beratung und Unterstützung auf dem Weg in die Geschäftswelt gab candidum die Technologie-Transfer-Initiative TTI GmbH. Dort hat das Startup auch eine Rechtsform als Transfer- und Gründerunternehmung (TGU). Weitere Förderungen gibt es aus dem Existenzgründungs-Programm exist, dem ESF und direkt von der Europäischen Union.

Der CyberOne Hightech Award wurde am 13. November im Rahmen eines Hightech-Gipfels im Europa-Park Rust verliehen. Der Wettbewerb zeichnet Geschäftskonzepte technologieorientierter Startups und Unternehmen aus und versteht sich als „öffentlichkeitswirksame Plattform zur Förderung innovativen Unternehmertums“ Baden-Württembergs. Der Preis spielt besonders als Marketing- und Kontaktplattform zu Investoren eine Rolle. Dazu kommt Beratung und Schulung in Unternehmertum. CyberOne finanziert sich aus Sponsorengeldern und Landesmitteln.

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