Einweihung des Begegnungsraums

Neuer Raum für Geflüchtete und Stuttgarter Bürgerinnen und Bürger

 (c) Kovalenko

880 Ziegel, 21 Kubikmeter Beton und Holz, das dem Gewicht von 28 Kühen entspricht – das Ergebnis bewunderten am 20. Oktober viele Menschen. Es war ein Kommen und Gehen in den hellen, schmucken Räumlichkeiten, überall waren lobende Äußerungen zu vernehmen, und beim Blick in die kleine Küche kam mancher ins Schwärmen. Das Interesse war bemerkenswert, der Anlass ein Besonderer: Das Team Begegnungsraum hatte zum Opening des gleichnamigen Bauprojekts in der Breitscheidstraße nahe des Uni Campus Stadtmitte geladen.

Viele Helfer

Innerhalb eines Jahres wurde der Flachdachbau mit seinen etwas mehr als 100 Quadratmetern geschaffen – ein Treffpunkt für Geflüchtete und Stuttgarter Bürgerinnen und Bürger, der zum Dialog zwischen den Kulturen einlädt und zugleich als „erweiterte Wohnfläche“ für die in der direkten Nachbarschaft in Systemunterkünften lebenden Flüchtlingsfamilien fungiert. Einzig über Spenden finanziert, haben hier viele Freiwillige – darunter Studierende der Universität Stuttgart, der Hochschule für Technik wie auch der Staatlichen Akademie der bildenden Künste – beim Bau Hand angelegt.

Professor Peter Cheret vom Institut für Baukonstruktion und Entwerfen (ibk1) der Universität Stuttgart lobt die Initiatorinnen Tine Teiml  (unten links) und Meike Hammer (unten rechts), auf deren Masterarbeit am ibk1 das Projekt beruht.  (c) Kovalenko
Professor Peter Cheret vom Institut für Baukonstruktion und Entwerfen (ibk1) der Universität Stuttgart lobt die Initiatorinnen Tine Teiml (unten rechts) und Meike Hammer (unten linkts), auf deren Masterarbeit am ibk1 das Projekt beruht.

Viele Sponsoren

„Akademische Arbeit ist real geworden“, freute sich Professor Peter Cheret vom Institut für Baukonstruktion und Entwerfen (ibk1) der Universität Stuttgart. Er lobte die optimistischen Initiatorinnen Tine Teiml und Meike Hammer, auf deren Masterarbeit am ibk1 das Projekt fußt, und die auch in schwierigen Situationen nicht ans Aufhören gedacht haben. Den vielen Helfer und Sponsoren sprach Cheret seinen Dank aus, verwies dabei auch auf die Behörden oder die beteiligten Werkstätten der Universität, wie etwa die Schreinerei, und schloss schmunzelnd: „Als die Firma Züblin uns kurzerhand die Bodenplatte gegossen hatte, gab es kein Zurück mehr.“

„Wir haben ein Schmuckstück bekommen“, sagte Gari Pavkovic von der Abteilung Integration der Stadt Stuttgart. Mit dem Begegnungsraum hätten Meike und Tine, denen er Marathonqualitäten bescheinigte, einen Prototyp geschaffen, der über die Stadt hinaus Schule machen werde. Nun gelte es ein Nutzungskonzept auszuarbeiten: „Wir freuen uns auf die nächsten Schritte.“ Ein Frauenfrühstück veranstalten, Sport machen, sich mit ihrer Deutschlehrerin treffen – Fatima Idrees hat schon viele Ideen, wie sich die Räume nutzen lassen, und die junge Frau, die vor zwei Jahren aus Pakistan kam, lud alle ein: „Kommt her, verbringt Zeit mit uns!“

Die Bewohnerin Fatima Idrees (rechts), die vor zwei Jahren aus Pakistan nach Deutschland kam, mit den beiden Architektinnen. (c) Kovalenko
Die Bewohnerin Fatima Idrees (rechts), die vor zwei Jahren aus Pakistan nach Deutschland kam, mit den beiden Architektinnen.

Freude über die neuen Möglichkeiten

Musik, Tanz und ein buntes Programm für Kinder – der Eröffnungstag gab einen kleinen Vorgeschmack darauf, wie einfach Begegnung sein kann. In ihren Grußworten betonten daher auch Pfarrer Eberhard Schwarz vom Hospitalhofforum und die Vertreter der Freundeskreise West und Mitte klar, dass sie sich schon sehr auf die Nutzung des Begegnungsraums freuen. „Wir sind überwältigt“, sagten Tine Teiml und Meike Hammer unter Freudentränen angesichts all der begeisterten Gäste und ihres „kleinen Stadtbausteins“, der mit seiner Architektur dazu einlädt, ungezwungen ins Gespräch zu kommen, und dessen Realisierung für sie mit vielen „außerordentlichen Begegnungen“ einhergegangen ist.

Die Bezirksvorsteherin von Stuttgart Mitte, Veronika Kienzle (rechts), bedankte sich für „das Geschenk“. (c) Kovalenko
Die Bezirksvorsteherin von Stuttgart Mitte, Veronika Kienzle (rechts), bedankte sich für „das Geschenk“.

Lebendig gewordene soziale Skulptur

Veronika Kienzle, die Bezirksvorsteherin von Stuttgart Mitte, bedankte sich für „das Geschenk“, das nicht nur ein Ort der Begegnung sei, sondern vielmehr eine „soziale Skulptur“, die allein schon durch ihren Entstehungsprozess lebendig geworden ist. „Wir werden mit dabei sein, um den Ort lebendig zu gestalten“, versprach sie.

In Kooperation mit dem Institut für Baukonstruktion und Entwerfen 1 unter der Leitung von Professor Peter Cheret und der Plattform e1nszue1ns ist der Begegnungsraum Teil des Projekts "Welträume - zwei Häuser", einer gut nachgefragten Lehrveranstaltung an der Fakultät für Architektur und Stadtplanung der Uni Stuttgart.

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