25 Jahre Umweltschutztechnik an der Universität Stuttgart

300 Gäste feierten die Jubiläen des Studiengangs und der Alumni-Vereinigung. Zu Gast war auch der Umweltwissenschaftler Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker

Andreas Sihler, Studiengangsmanager mit Moderator Ingolf Baur und dem  1. Vorsitzender von Kontakt Umweltschutztechnik Stuttgart e.V., Georg Seitfudem sowie Lina Weber, Vorsitzende der Fachgruppe Umweltschutztechnik. (v.l.n.r.) (c)
Andreas Sihler, Studiengangsmanager mit Moderator Ingolf Baur und dem 1. Vorsitzender von Kontakt Umwelt­schutz­technik Stuttgart e.V., Georg Seitfudem sowie Lina Weber, Vor­sitzende der Fach­gruppe Umwelt­schutztechnik. (v.l.n.r.)

Sterbende Wälder, verschmutzte Flüsse und Abfallberge waren aktuelle Themen, als der Studiengang Umweltschutztechnik an der Universität Stuttgart aus der Taufe gehoben wurde. Wichtig wie eh und je, kann er nunmehr auf 25 erfolgreiche Jahre zurückblicken. Seit ebenso vielen Jahren gibt es die Fachgruppe Umweltschutztechnik, und vor 20 Jahren wurde der Alumni-Verein Kontakt Umweltschutztechnik Stuttgart gegründet. Studiengang und Alumni-Verein nahmen dies zum Anlass, am 10. Mai zur Jubiläumsfeier einzuladen.

 (c) Kovalenko

Die gut 300 Gäste erwartete als Festredner kein Geringerer als der bekannte Umwelt­wissen­schaftler Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker. Ein Science Slam nahm sich der Forschung in der Umwelt­schutz­technik an, und Fernseh­moderator Ingolf Baur führte durch die Podiums­diskussion, die die „Zukunft unseres Planeten“ im Fokus hatte.

Interdisziplinär aufgestellt und erfolgreich

Der Studiengang Umweltschutztechnik hatte Erfolg und war ein Vorreiter für die interdisziplinäre Ausrichtung der Universität Stuttgart, betonte der Prodekan der Fakultät Bau- und Umweltingenieurwissenschaften, Prof. Oliver Röhrle. Vom „Gründungsvater“ Prof. Karl Heinz Hunken initiiert, einst Rektor der Uni Stuttgart und Direktor des Instituts für Siedlungswasserbau und Wassergütewirtschaft, startete im Sommersemester 1994 der Studiengang mit rund 40 Umsteigern aus den Studiengängen Bauingenieurwesen und Maschinenbau. Getragen wurde er von 45 Instituten aus 10 von 14 Fakultäten. Ein „Kind“ ist der seit 2001 erfolgreiche englischsprachige Masterstudiengang WASTE.

Der Studiengang Umweltschutztechnik kann inzwischen auf 2.000 Absolventen verweisen, die sich als spezialisierte Generalisten den Herausforderungen der Zukunft stellen. 50 Prozent der derzeitigen Absolventen sind weiblich. „Den Studiengang in seiner heutigen Form weiterzuführen ist wichtig, und der Leitspruch ‚Die Zukunft findet heute statt‘ ist so aktuell wie eh und je“, erklärte der Vorsitzende der Gemeinsamen Kommission Umweltschutztechnik, Prof. Martin Kranert.

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Visionen für eine zukunftsorientierte Entwicklung

Zu seiner Studienzeit hat es sie noch nicht gegeben, heute ist die Umweltschutztechnik für jede „normale Technik“ wichtig, damit sie funktioniert, stellte Ernst Ulrich von Weizsäcker zu Beginn seines Festvortrags fest. Dennoch: Die Ökologie hat sich verschlechtert, die Artenvielfalt sinkt. Eine der größten Gefahren für die Umwelt stelle die Landwirtschaft dar, erklärte von Weizsäcker. Angesichts einer Wertschöpfung von einem Euro, der 2,24 Euro Schäden gegenüberstehen, sagte er: „Eine Agrarumwelttechnik wäre wichtig.“

Da die Menschen erst bereit seien, Wahrheiten zu erkennen, wenn sie diese selber spüren, forderte er die Politik zum Handeln auf. So werde etwa die Gefahr, die von einem steigenden Meeresspiegel ausgehe, einfach verdrängt. Dabei wären bis zu 200 Millionen Flüchtlinge die Folge. Hinsichtlich der globalen Erwärmung zog von Weizsäcker einen Vergleich mit Ärzten, die eine vernünftige Prognose stellen, aber komplett idiotische Therapieansätze verordnen.

Ein wichtiger Punkt sei es, den Naturverbrauch teurer zu machen, erklärte von Weizsäcker, und Verbote seien eigentlich Innovationsmotoren, die nicht nur der Umwelt, sondern auch den Unternehmen etwas bringen. So habe etwa Anfang der 1990er-Jahre die Industrie in Schweden durch Steuern, die dazu beitragen sollten, die Luftschadstoffe zu reduzieren, eine Modernisierungswelle erfahren.

Nachhaltigkeit kann cool sein

In der von Alumni und Studierenden des Studiengangs zusammen mit Ernst Ulrich von Weizsäcker engagiert geführten Diskussionsrunde, forderte Prof. Jan Paul Lindner vom Fachgebiet Nachhaltigkeit im Ingenieurwesen der Hochschule Bochum angesichts der Tatsache, dass alle Prognosen früher eingetreten sind, als erwartet: „Man muss sich die Endlichkeit des Planeten bewusst machen.“

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Claus Lang-Koetz, Professor für Nachhaltiges Technologie- und Innovationsmanagement an der Hochschule Pforzheim, betonte, dass eine Verhaltensänderung wichtig sei, da die Technik allein nicht ausreiche. Vermitteln, dass Nachhaltigkeit cool sein kann, ist auch ein Anliegen von Vincent Dapper, der wie Franziska Rehle, die die Regierung in der Verantwortung sieht, Umweltschutztechnik an der Uni Stuttgart studiert. „Das moralisch Richtige zu machen, sollte rentabler werden“, hob Ernst Ulrich von Weizsäcker hervor. Eine Lösung für die Problematik habe man nicht, sagte Prof. Wolfgang Nowak vom Lehrstuhl für Stochastische Simulation und Sicherheitsforschung für Hydrosysteme der Universität Stuttgart, aber „wir können hier Menschen ausbilden, die an Lösungen arbeiten“.

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Der Studiengangsmanager Andreas Sihler, der den Studiengang seit seiner Gründung begleitet, organisierte die„Familienfeier“ gemeinsam mit Ehemaligen und Studierenden. Mit Gesprächen, Filmen, Foto-Shows, Sketchen und Live-Musik erstreckte sich die Jubiläumsfeier  der Umweltschutztechnikerinnen und -techniker bis tief in die Nacht.

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