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Welcome Campus – Koordinationsstelle für studieninteressierte geflüchtete Menschen

Ein syrischer Student berichtet von seinem Weg an die Uni

Mohammed Alaa Alhamede flüchtete 2015 nach Deutschland, nun studiert er an der Universität Stuttgart im Master-Studiengang Mechatronik.

Der 28-jährige Mohammed Alaa Alhamede flüchtete 2015 aus Syrien nach Deutschland. Am 24. Oktober kam er in Mannheim an, mitten in der großen Flüchtlingswelle. Von dort zog er bald in die Region Stuttgart, nach Denkendorf. Das erste halbe Jahr, während des Asylverfahrens und des Wartens auf die Aufenthaltserlaubnis, hat er sich selbst erste Deutschkenntnisse beigebracht. „Im Internet, zum Beispiel mit YouTube“, erzählt der junge Mann. Als er dann einen Platz in einem Integrationskurs bekam, konnte er im zugehörigen Sprachkurs gleich auf dem B1-Niveau einsteigen. Ein Bekannter erzählte ihm von den Programmen für Geflüchtete an der Universität Stuttgart.

Eine echte Erfolgsgeschichte!

Alhamede bewarb sich für den neu eingerichteten Sprachkurs für Geflüchtete, der in Kooperation mit dem Ökumenisches Zentrum (ÖZ) und dem Dezernat Internationales stattfand. Er bekam einen Platz und begann Ende 2016 mit dem Deutschkurs, der bis zur Vorbereitung auf die TestDaF-Prüfung führte. Am 20. September 2017 legte er die Prüfung erfolgreich ab. Anschließend schrieb er sich zum Wintersemester 2017/18 an der Universität Stuttgart ein. Rund zwei Jahre nach seiner Ankunft in Deutschland spricht Mohammed Alaa Alhamede fließend Deutsch und studiert im Master-Studiengang Mechatronik.

Nina Jürgens vom Welcome Campus unterstützt die studieninteressierten Flüchtlinge bei ihrem Weg an die Universität. (c) Kovalenko
Nina Jürgens vom Welcome Campus unterstützt die studieninteressierten Flüchtlinge bei ihrem Weg an die Universität.

Dankbar für Geduld und Hilfsbereitschaft

Ohne Fleiß, Disziplin und Zielstrebigkeit hätte er dies sicher nicht erreicht. Er selbst sagt: „Ich bin sehr froh über die Förderung und Unterstützung von verschiedenen Einrichtungen und NGO´s, die ich erhalten habe.“ Dankbar ist der junge Syrer auch den Menschen an der Uni, die ihm geholfen haben, wie Nina Jürgens zum Beispiel: „Zu ihr konnte ich immer kommen, wenn etwas unklar war oder es Probleme gab.“ Er nennt auch die Sprachlehrerin Daniela Hägele, die sehr viel Geduld mit den Kursteilnehmern gehabt habe, und Stefan Schittenhelm vom Studiensekretariat für Ausländer, der immer sehr hilfsbereit gewesen sei. Auch ein syrischer Student, den er schon in Mannheim kennengelernt hat, habe ihm viele Tipps gegeben.

Wichtig für Alltag und Studium: Sprachkurs und Interkulturelles Training

Der Sprachkurs am ÖZ wird über das Integra-Programm gefördert, eine Kooperation von DAAD und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung. Neben dem Sprachkurs sind auch interkulturelle Trainings in dem Kurs enthalten. „Wir stellen auch die Universität und den Campus vor, unterstützen die Studieninteressierten bei der Bewerbung um einen Studienplatz und begleiten sie zum BAföG-Amt“, erklärt Nina Jürgens, die die Module gemeinsam mit ihrer Kollegin Sarah Naaseh konzipiert und koordiniert. „Inzwischen haben wir das interkulturelle Training noch weiter ausgebaut, wir holen uns auch Rückmeldungen von den Geflüchteten. Für sie ist zum Beispiel wichtig, wie man sich im Umgang mit Behörden verhält.

In Syrien hatte Mohammed Alaa Alhamede Mechatronik studiert und mit dem Bachelor abgeschlossen. In Deutschland angekommen stand für ihn von Anfang an fest: „Ich möchte hier weiter studieren.“ Und wie fühlt es sich nun an, als Student an der Universität Stuttgart? „Ich bin sehr zufrieden, dass ich hier sein kann“, sagt der Student. Doch ganz leicht sei es nicht. „Es ist noch vieles sehr neu für mich. Ich muss viel lernen.“

Viel Lernen – wenig Freizeit

Seinen Bachelor in Syrien hat er 2013 abgeschlossen. Nun muss er sich erst wieder in den Stoff hineinarbeiten und gleichzeitig auch die neuen Inhalte verinnerlichen. Auch die Vorlesungen auf Deutsch immer sofort zu verstehen, sei schwierig. Das alles sei oft stressig.

Möglichkeiten, um Kontakte zu Firmen zu knüpfen

An dem Master-Studium in Deutschland findet er besonders gut, dass ein Praktikum integriert ist. Auch die Firmenmessen auf dem Campus gefallen ihm. „Kürzlich gab es Infostände von Porsche. Dass ich schon als Student die Möglichkeit habe, auf diese Weise Kontakte zu Firmen zu knüpfen, finde ich super“, strahlt Alhamede. Er wohnt noch in Denkendorf in einer WG und bekommt BAföG. Der Syrer hofft sehr, nach seinem Masterabschluss einen Arbeitsplatz in Deutschland zu finden.

Viel Zeit für Freizeit, Sport und Ausgehen hat der junge Mann nicht. Das muss warten. Gemeinsam mit deutschen Bekannten hat er die Lange Nacht der Museen besucht, das hat ihm gefallen. Von Deutschland hat er noch nicht viel gesehen. Bei seinem Arbeitspensum wundert das nicht. Seine Schwester in Trier hat er einmal besucht. Zu seinen zwei Brüdern, die in Bayern leben, fährt er vielleicht dieses Jahr. An Weihnachten hat der Student mit Freunden Raclette gegessen: „Das kannte ich vorher nicht, es hat sehr lecker geschmeckt.“ Auf die Frage, was ihm in Deutschland besonders aufgefallen sei, antwortet Mohammed Alaa Alhamede: „Es ist sehr ruhig hier und die Familienverbindungen sind ganz anders als in Syrien.“

Welcome Campus

Obwohl die Zahl der in Deutschland ankommenden Flüchtlinge seit 2015 deutlich gesunken ist, verzeichnet Nina Jürgens, die Koordinatorin des Welcome Campus eine konstante Anzahl von Anfragen. Pro Monat gibt sie an rund 100 Menschen Informationen heraus, in Form von Telefongesprächen, persönlichen Beratungen oder per E-Mail. Geändert hat sich allerdings die Herkunft und Zusammensetzung der Anfragenden. Inzwischen kommen einige Menschen aufgrund des Familiennachzugs, es sind mehr Frauen und neben Syrern, Iranern, Afghanen, Irakern auch einige aus der Türkei.   

Im März wird es wieder eine große Infoveranstaltung für studieninteressierte Geflüchtete geben. „Das Konzept haben wir diesmal ein wenig verändert.“, berichtet Nina Jürgens. „Vorgesehen sind Kurzvorträge und viele Infostände von verschiedenen Einrichtungen der Universität und darüber hinaus.“

Jürgens plant eine Weiterentwicklung der Aufgaben des Welcome Campus. Bisher stand die Studienvorbereitung im Fokus, jetzt sollten auch die Studienbegleitung und der Übergang in den Beruf miteinbezogen werden. Sie möchte die Studierenden soweit möglich in bereits bestehende Programme integrieren, wie zum Beispiel in das Interkulturelle Mentoringprogramm. „Die Geflüchteten bekommen dann nicht immer eine Sonderbehandlung, sondern wachsen allmählich in die Rolle der ganz ‚normalen‘ internationalen Studierenden hinein.“ Zu Bedenken gibt sie allerdings, dass die Menschen, mit ihrer Fluchtgeschichte immer einen besonderen Hintergrund haben werden.