Interview

Erfahrungsberichte zur Studienstiftung

Eine Förderung durch die Studienstiftung ist begehrt. Doch das Auswahlverfahren erscheint auf den ersten Blick komplex. Die Universität Stuttgart bietet Unterstützung für die Bewerberinnen und Bewerber an.

Studienstiftung des deutschen Volkes e.V.
Die Studienstiftung fördert Studierende, deren Können, Initiative und Verantwortungsbewusstsein in ihrer Altersgruppe überdurchschnittlich ist. Für die Aufnahme in die Studienstiftung wird man von Lehrenden oder vom Prüfungsamt vorgeschlagen. Es gibt allerdings auch die Möglichkeit, sich mit Hilfe eines Auswahltests selbst zu bewerben. Stipendiatinnen und Stipendiaten erhalten unter anderem eine finanzielle Unterstützung von mindestens 300 Euro im Monat. An der Universität Stuttgart gibt es derzeit rund hundert Studierende, die das prestigereiche Stipendium der Studienstiftung erhalten.

 

Wie sind Sie Stipendiatin und Stipendiat der Studienstiftung geworden?

Corinna Schröder ist seit April 2016 Stipendiatin der Studienstiftung. Die 23-Jährige  studiert Mechatronik im dritten Mastersemester. (c)
Corinna Schröder ist seit April 2016 Stipendiatin der Studienstiftung. Die 23-Jährige studiert Mechatronik im dritten Mastersemester.

Corinna Schröder: Das Prüfungsamt hat mich im Bachelorstudium vorgeschlagen, danach musste ich noch die Auswahltests bestehen. Das hat geklappt. Zusätzlich bin ich seit Mai 2016 Sprecherin der Studienstiftung, das bedeutet ich vertrete die Meinung der Stipendiaten aus der Region gegenüber der Geschäftsstelle. Außerdem koordiniere ich Veranstaltungen, die von anderen Stipendiatinnen und Stipendiaten organisiert werden.

André Schiedt ist seit Dezember 2013 Stipendiat der Studienstiftung. Der 27-Jährige schreibt zurzeit an seiner Masterarbeit im Studiengang Luft- und Raumfahrttechnik. (c)
André Schiedt ist seit Dezember 2013 Stipendiat der Studienstiftung. Der 27-Jährige schreibt zurzeit an seiner Masterarbeit im Studiengang Luft- und Raumfahrttechnik.

André Schiedt: Ich habe die Eigeninitiative ergriffen und einen Professor gefragt, ob er mich bei der Studienstiftung vorschlagen kann. Daraufhin wurde ich zum Auswahlverfahren zugelassen und habe es auch bestanden. Das war damals im fünften Bachelor Semester, seitdem fördert mich die Studienstiftung. Es gibt aber auch die Möglichkeit, sich im ersten und zweiten Studiensemester selbst zu bewerben. Das ist eine tolle Chance, die jeder Interessierte versuchen sollte.

Wie sehen die Auswahltests aus?

Schröder: Per Brief erfährt man, dass man für die Förderung durch die Studienstiftung vorgeschlagen wurde. Anschließend müssen ein ausführlicher Lebenslauf sowie zwei Gutachten eingereicht werden und dann steht das Auswahlverfahren an. Dort musste ich einen zehnminütigen Vortrag zu einem selbstgewählten Thema halten, anschließend eine Diskussionsrunde meistern und zuletzt standen noch Einzelgespräche an.

Schiedt: Der Auswahlprozess klingt zwar langwierig und anstrengend, das Verfahren lohnt sich aber auf jeden Fall. Die Gesprächssituationen waren sehr angenehm und noch heute habe ich Kontakt mit Kommilitonen aus demselben Auswahlverfahren. Wenn man bedenkt, welche Vorteile eine Förderung mit sich bringt, ist der Aufwand absolut vertretbar.

Inwiefern bietet die Universität Stuttgart Unterstützung für den Auswahlprozess an?

Schröder: Im Januar fand eine Veranstaltung für alle neu vorgeschlagenen Studierenden statt. Bei diesem Informationsaustausch haben wir den Studierenden Tipps und Hilfestellung für das bevorstehende Auswahlverfahren gegeben.

Wie sieht die Förderung durch die Studienstiftung aus?

Schiedt: Es gibt eine finanzielle Unterstützung, das sind 300 Euro im Monat. Außerdem können die Stipendiaten ein Lebenshaltungsstipendium von monatlich bis zu 649 Euro bekommen, das ist abhängig von der finanziellen Situation der Familie. Auch für Praktika oder Auslandsaufenthalt erhalten wir einen Zuschuss.

Schröder: Neben der finanziellen Hilfe gibt es noch viel mehr Angebote für Stipendiaten. Zum Beispiel bezahlte Sprachkurse in verschiedenen Ländern oder die Sommerakademie, dort arbeitete man in Gruppen gemeinsam an wissenschaftlichen Themen.

Schiedt: Es sind auch nichtwissenschaftliche Seminare im Angebot, um beispielsweise Soft Skills zu trainieren. Bald nehme ich an einem Seminar zum Thema Theater und Improvisation teil. Inzwischen neigt sich mein Studium dem Ende zu und ich bin wirklich wehmütig, dass die Förderung bald vorbei ist. Ich habe dadurch so viele unterschiedliche Menschen kennengelernt und tolle Auslandserfahrungen gemacht.

Wer hat eine Chance auf ein Stipendium der Studienstiftung?

Schröder: Wichtig ist: Es geht nicht nur um die besten Noten. Gute Noten spielen sicherlich eine Rolle, aber die Studienstiftung achtet auch sehr darauf, dass man sich neben seinem Studium engagiert. In der Freizeit beispielsweise ehrenamtlich aktiv ist oder ein Hobby hat, für das man viel Zeit und Mühe investiert. Ich bin zum Beispiel in der Fachschaft Maschinenbau & Co., in der Studierendenvertretung (stuvus) und Senatsmitglied. Fehlende Spitzennoten sollten niemanden abhalten, sich bei der Studienstiftung um ein Stipendium zu bewerben.

Unterstützung für Bewerberinnen und Bewerber
In regelmäßigen Abständen bietet das Rektoratsbüro mit Unterstützung des Prüfungsamtes einen Informationsabend an, bei dem alle neu vorgeschlagenen Studierenden die Möglichkeit haben, sich mit  aktuellen Stipendiatinnen und Stipendiaten auszutauschen. Auch Vertrauensdozenten der Studienstiftung, die es an jeder Universität gibt, stehen für Tipps, Fragen und Gespräche zur Verfügung. Dadurch können sich die Bewerberinnen und Bewerber besser auf das Auswahlverfahren vorbereiten.

Neben diesem Unterstützungsangebot gibt es auch eine universitätsweite Arbeitsgruppe, die es sich zum Ziel gesetzt hat, leistungsstarke und –willige Studierende noch systematischer in den Blick zu nehmen und zu fördern. Die Arbeitsgruppe hat sich im Sommer 2017 gebildet und besteht aus Mitgliedern aus dem Senatsausschuss Lehre und Weiterbildung sowie Studierenden und Lehrenden aller Fakultäten. Bei Fragen zur Arbeitsgruppe oder zur Studienstiftung können Sie sich an Dr. Christine Heinke wenden.

Dieses Bild zeigt Heinke
Dr.

Christine Heinke

Wissenschaftliche Referentin des Rektors