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Neu an der Uni: Prof. Hans-Christian Möhring

Fest verwurzelt in der industriellen Realität

Beziehungen zu Deutschlands Südwesten pflegt Prof. Hans-Christian Möhring aufgrund der hiesigen Industriedichte, seit er berufstätig ist. Jetzt hat der Hannoveraner auch das Zentrum seines wissenschaftlichen Wirkens von Magdeburg nach Stuttgart verlegt. Möhring ist seit 1. April Institutsdirektor des Instituts für Werkzeugmaschinen in der Holzgartenstraße, mitten in der Landeshauptstadt.

Größtmögliche Freiheit für Ideen

Hans-Christian Möhring hat in seinem Berufsleben sehr viel mit der Industrie zusammengearbeitet. Der gegenseitige Austausch sei sehr wichtig und bringe die Produktionstechnik voran. „Die Freiheit in der Forschungslandschaft ist größer als in der Industrie. Ideen frei umsetzen zu können“, sagt der Ingenieur. Dies sei auch der Hauptgrund, weshalb er seinen Status als Professor und Institutsleiter einem Spitzenjob in der Industrie vorzieht. „Außerdem macht die Arbeit mit jungen Menschen sehr viel Freude.“ Sie in dieser Phase ihrer Entwicklung zu begleiten, gemeinsam Ideen zu entwickeln und diese nach Möglichkeit in die Realität umzusetzen, sei seine berufliche Motivation.

Selbstoptimierende Fertigungssysteme

Institut für Werkzeugmaschinen – das klingt nach schwerem Gerät, Metallsplittern und Dreck. Der neue Lehrstuhlinhaber macht jedoch klar, dass es am Institut um Highend-Technologie geht. Dabei befasse man sich mit ganz klassischen Themen aus Maschinenbau, Mechanik oder Thermodynamik, aber auch mit innovativen Technologien wie Mechatronik, Simulation und Informationstechnik. Typische Fragestellungen: Wie ist ein Werkzeug auszulegen, um möglichst produktiv mit möglichst hoher Genauigkeit oder Oberflächenqualität arbeiten zu können? Wie muss eine Werkzeugmaschine gestaltet sein, um produktiv und wirtschaftlich zu arbeiten und dabei aber auch möglichst effizient, genau und umweltschonend? Ein wichtiges Forschungsfeld sind dabei selbstoptimierende Fertigungssysteme.

Genauigkeiten im Mikrometer- und Submikrometer-Bereich

In Möhrings Bücherregal stehen Roboterminiaturen. Ein Hinweis, dass Kollege Roboter bald die Regie am Institut übernimmt? Mitnichten. „Werkzeugmaschinen sind Robotern in vielem überlegen. Wir reden hier von sehr großen Prozesskräften, wir reden von Genauigkeiten im Mikrometer- bzw. Submikrometer-Bereich, von sehr hohen Dynamiken, mehrfacher Erdbeschleunigung, die in den Maschinen umgesetzt wird“, erklärt Möhring. „Der Roboter kann weniger anspruchsvolle Tätigkeiten übernehmen, wie Zerspanungsarbeiten, bei denen nicht ganz so hohe Genauigkeiten gefordert sind. Die spanende Fertigungstechnologie bezeichnet Fertigungsverfahren, bei denen Späne von einem Rohmaterial entfernt werden, um Bauteile zu erzeugen. Beispielsweise von einem vorgefertigten Werkstück, das aus einem Schmiedeprozess resultiert, oder neuerdings auch aus 3D-Druckprozessen, also additiven Fertigungsprozessen.“ Der Schwerpunkt liegt auf metallischen Werkstoffen, doch – und das ist die Besonderheit in Stuttgart – gehören auch Holz und die Bearbeitung von Faserverbundwerkstoffen dazu.

Prof. Hans-Christian Möhring ist seit dem 1. April Direktor des Instituts für Werkzeugmaschinen. (c) Roeder
Prof. Hans-Christian Möhring ist seit dem 1. April Direktor des Instituts für Werkzeugmaschinen.

Hochkomplexe Technologien

„Da es sich bei Werkzeugmaschinen um hochkomplexe mechatronische Anlagen handelt, ist auch sehr viel Elektrotechnik, Informationstechnologie und Elektronik im Spiel“, ergänzt Möhring. Auch die Informationstechnik und Informatik komme immer mehr zum Tragen, weil man sich am Institut immer intensiver mit Berechnungs- und Simulationsverfahren sowie Informationsunterstützungssystemen auseinandersetze. „Die Hype-Themen wie Industrie 4.0 oder cyberphysische Systeme sind bei uns absolut vollwertig vorhanden.“

Internationales Renommee des Stuttgarter Instituts

30 Mitarbeiter zählt sein Institut und es wird weiter wachsen. Der Maschinenbau der Universität Stuttgart genießt seit Jahrzehnten weltweit einen guten Ruf. Gerade die Produktionstechnik, Möhrings neuer Wirkungskreis, ist sehr renommiert. „Das industrielle Umfeld in Stuttgart ist wahrscheinlich weltweit einzigartig“, so Möhring.

Prof.

Hans-Christian Möhring

Direktor des Instituts für Werkzeugmaschinen