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Jahresfeier der Universität Stuttgart

Exzellenz und künstliche Intelligenz.

Kanzler der Universität Stuttgart, Jan Gerken, begrüßte die Festgäste zur Jahresfeier.  (c) Regenscheit
Kanzler der Universität Stuttgart, Jan Gerken, begrüßte die Festgäste zur Jahresfeier.

Ohne die Jahresfeier ist das Akademische Jahr nicht zu denken. Für die Angehörigen der Universität Stuttgart ist sie der feierliche Rahmen, um auf das Geleistete zurückzublicken,  sich zu treffen und mit Gästen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft auszutauschen. Am Freitag, 16. November, begrüßte der Kanzler der Universität Stuttgart, Jan Gerken, in Vertretung des erkrankten Rektors, die Festgäste im Tiefenhörsaal in der Keplerstraße zur Jahresfeier. Deren zahlreiches Kommen wertete er als Zeichen der Wertschätzung und betonte: „Von Ihrer Verbundenheit und Ihrem Vertrauen lebt die Universität.“

Prof. Dr. Bernhard Keimer, Vorsitzender des Universitätsrats (c) Regenscheit
Prof. Dr. Bernhard Keimer, Vorsitzender des Universitätsrats.

Dr. Johannes Rothmund, Vertreter des Akademischen Mittelbaus. (c) Regenscheit
Dr. Johannes Rothmund, Vertreter des Akademischen Mittelbaus.

Studierendenvertreter Friedrich Balassa. (c) Regenscheit
Studierendenvertreter Friedrich Balassa.

Ein „erfolgreiches Jahr“

Für Prof. Dr. Bernhard Keimer, den Vorsitzenden des Universitätsrats, gab es in diesem Jahr zwei Schlüsselereignisse. So die Rektoratswahl, in der Prof. Wolfram Ressel in seiner dritten Amtszeit bestätigt wurde. „Er hat Großartiges für die Uni geleistet“, betonte Keimer, dankte aber auch dem Herausforderer Prof. Michael Resch für sein leidenschaftliches Engagement und viele interessante Ideen. Schlüsselereignis Nummer zwei datiert auf den 24. September: Im Rahmen der Exzellenzstrategie konnte die Universität Stuttgart mit zwei Exzellenzclustern aus den Simulationswissenschaften und der Architektur punkten. „Die Arbeit an den Anträgen hat neuen Teamgeist geschaffen“, freute sich Keimer.

„Bei der Exzellenstrategie haben die 3200 Mittelbauer mitgezittert“, betonte Dr. Johannes Rothmund, der Vertreter des Akademischen Mittelbaus, in seinem Redebeitrag. Die Workshops hätten die geballte Kompetenz der Uni an einen Tisch gebracht – „So etwas sollten wir öfters machen“. Als wichtiges Zukunftsthema für die Uni, wie auch den Mittelbau, benannte Rothmund die Digitalisierung. Damit deren Einsatz gelinge, könnten sich häufigere Bedarfsanalysen als hilfreich erweisen, zudem seien stets alle Prozessschritte zu beachten.

Von einem „erfolgreichen Jahr“ sprach Friedrich Balassa, der Vertreter der Studierenden. Viele Projekte seien umgesetzt worden. So haben nun etwa Cafeteria und Bibliothek länger geöffnet. Mit dem Campus Beach kam den Sommer über ein Strand nach Vaihingen und der erste stuvus Campus Cup war ein voller Erfolg.

Keine Alleskönner, intelligente Werkzeuge

„Künstliche Intelligenz und Robotik: Eine Schlüsseltechnologie unseres Jahrhunderts“ war der Festvortrag von Prof. Sami Haddadin von der TU München überschrieben. Der Gründungsdirektor der Munich School for Robotics and Machine Intelligence betonte, Robotik und künstliche Intelligenz seien als hilfreiche Werkzeuge für den Menschen zu sehen. Der eigentliche Wunsch, einen Androiden, gleich dem Data der Science-Fiction Serie Raumschiff Enterprise zu schaffen, bleibe zwar das Ziel, doch dieses sei die „höchste Kunst“ und noch weit entfernt.

Die spannende Reise durch die Welt der künstlichen Intelligenz und Robotik startete, als es Deep Blue als erstem Computer gelang, den amtierenden Schachweltmeister Kasparow zu schlagen. „Es war aber ein Mensch, der die Berechnungen des Computers in der realen Welt umsetzte“, betonte Sami Haddadin. Arbeitsplätze würden Roboter den Menschen keineswegs stehlen, denn die Anzahl der Mitarbeiter steige in hoch qualifizierten Bereichen mit der Anzahl der Roboter.

Der zweibeinige Gang, die sensomotorischen Fertigkeiten des Menschen, das Fühlen, Greifen und zielgerichtetes Verändern der Welt, stellen für Roboter große Probleme dar. Aus Sicherheitsgründen arbeiten Mensch und Maschine noch heute oft getrennt. Erst sensitive Leichtbauroboter machten eine gefahrlose Zusammenarbeit möglich. „Alleskönner“ seien nicht gefragt, sagte Sami Haddadin, eher intelligente Werkzeuge für den Menschen, die etwa in der Medizin schwierige Operationen präzise durchführen können oder als Roboterassistenten alten Menschen dabei helfen, länger in den eigenen vier Wänden zu leben. Mittels neuartiger Lernalgorithmen und der Vernetzung untereinender lernen die Roboter heute im Team übrigens schneller als alleine – können sich so schnell an neue Aufgaben anpassen.

  

Prof. Sami Haddadin  sprach in seinem Festvortrag über künstliche Intelligenz und Robotik.  (c) Regenscheit
Prof. Sami Haddadin sprach in seinem Festvortrag über künstliche Intelligenz und Robotik.

Die Universität Stuttgart verlieh die Ehrendoktorwürde an Michael A. Celia (Mitte). Die Laudatio hielt Prof. Dr. Rainer Helmig (links). (c) Regenscheit
Die Universität Stuttgart verlieh die Ehrendoktorwürde an Michael A. Celia (Mitte). Die Laudatio hielt Prof. Dr. Rainer Helmig (links).

Jun.-Prof. Dr. Marc-André Keip (Mitte) erhielt den Lehrepreis der Universität Stuttgart. Laudator war Alexander Nitsche (links), Sprecher der Fachgruppe Bauingenieurwesen.  (c) Regenscheit
Jun.-Prof. Dr. Marc-André Keip (Mitte) erhielt den Lehrepreis der Universität Stuttgart. Laudator war Alexander Nitsche (links), Sprecher der Fachgruppe Bauingenieurwesen.

Ehrendoktorwürde und Lehrepreis

Eine bessere Gelegenheit für Ehrungen als die Jahresfeier, gibt es nicht. In diesem Jahr verlieh die Universität Stuttgart die Ehrendoktorwürde an Michael A. Celia, der derzeit als Theodora Shelton Pitney Professor of Environmental Studies an der Princeton University tätig ist und Direktor des Princeton Environmental Institute ist. Celia habe maßgeblich zum Verständnis von numerischen Methoden für Strömungs- und Transportvorgänge in porösen Medien beigetragen, hob Laudator Prof. Dr. Rainer Helmig hervor. Von einer Ehre, nun Teil der Universität Stuttgart zu sein, sprach Celia, und er betonte, er sei „verry happy“.

Der mit einem Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro dotierte Lehrepreis der Universität Stuttgart ging an Dr. Marc-André Keip. Der Junior-Professor für Computerorientierte Mikromechanik und Materialdesign am Exzellenzcluster Simulation Technology (SimTech) verstehe es, den Studierenden die Begeisterung für sein Fach zu vermitteln und sie für die Technische Mechanik zu motivieren, betonte Alexander Nitsche, Sprecher der Fachgruppe Bauingenieurwesen, in seiner Laudatio. Humor und Menschlichkeit zeichne Keip aus, der immer einen Schritt mehr als nötig tue, obgleich er seit Dezember 2016 zudem die Professur für Materialtheorie im Ingenieurwesen des Instituts für Mechanik der Uni Stuttgart vertrete.

Es liegt was in der Luft ...

Wie bei jeder Jahresfeier machte die musikalische Umrahmung durch das Akademische Orchester der Universität Stuttgart die Veranstaltung auch zu einem Hörgenuss. Unter der Leitung von Veronika Stoertzenbach, die in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum als Universitätsmusikdirektorin an der Universität Stuttgart feiern konnte,  sorgten die jungen Musikerinnen und Musiker mit dem ersten Satz aus Felix Mendelssohn-Bartholdys Streichoktett Es-Dur, Opus 20, für einen feierlichen Auftakt. Und mit den ersten zwei Sätzen aus dem ersten Violinkonzert in D-Dur, Opus 19 von Sergei Prokofjew, bei dem Elene Meipariani als Solistin brillierte, war der musikalische Abschluss noch nicht gegeben – ohne Zugabe ließen die begeisterten Zuhörer das Orchester nicht von der Bühne.

Das Akademischen Orchester sorgte unter der Leitung von Universitätsmusikdirektorin Veronika Stoertzenbach für die musikalische Umrahmung der Jahresfeier.  (c) Regenscheit
Das Akademischen Orchester sorgte unter der Leitung von Universitätsmusikdirektorin Veronika Stoertzenbach für die musikalische Umrahmung der Jahresfeier.