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Neu an der Uni: Prof. Daniela Winkler

Gerecht zu und mit der Umwelt

„Ich versuche mich mit Modernisierungsentwicklungen zu beschäftigen, sowohl gesellschaftlicher als auch technologischer Art. Dabei geht es mir darum, den rechtlichen Rahmen bereitzustellen oder zu untersuchen, wie dieser aussieht“, beschreibt Daniela Winkler ihr breites juristisches Wirken.

Winkler hat zum Wintersemester 2017/18 von Köln an die Universität Stuttgart gewechselt. Sie forscht und lehrt über öffentliches Recht. Neu ist auch der Masterstudiengang Partizipation und Planung, kurz MPP.

Prof. Daniela Winkler forscht und lehrt über öffentliches Recht mit starkem Fokus auf Interdisziplinarität.  (c) Roeder
Prof. Daniela Winkler forscht und lehrt über öffentliches Recht mit starkem Fokus auf Interdisziplinarität.

Unter Sozialwissenschaftlern

Der neue Studiengang ergänze ihren bisherigen Werdegang prima, sagt die sympathische Frau mit dem herzhaften Lachen. Als einzige Juristin unter Sozialwissenschaftlern im Hochhaus der Keplerstraße 17 mitten in Stuttgart tätig zu sein, passt gut zu ihrer interdisziplinär ausgerichteten Forschung und Lehre.

„In der Lehre geht es im Kern um Planungsprozesse und darum, Infrastrukturprozesse zu begleiten und zu überlegen, wie die Öffentlichkeit beteiligt und die somit gesteigerte Transparenz zu höherer Akzeptanz führen kann“, erläutert Winkler das Lehrprofil für zunächst ein Jahr.

Stuttgart 21 als Katalysator

„Es gab in Stuttgart schon immer eine juristische Historie in Richtung Partizipation“, weiß Winkler. Letztlich den Weg frei gemacht für den Studiengang hatte nicht zuletzt das in dieser Hinsicht missglückte Megaprojekt Stuttgart 21. „Die großen Herausforderungen können wir täglich sehen, wenn wir zum Fenster rausschauen.“

Diesen neuen Studiengang zu begleiten hat die Wissenschaftlerin gereizt. Es war ein wichtiger Punkt neben anderen, warum sie dem Ruf nach Stuttgart folgte.

Partizipation und Planung erweitert auch das Forschungsprofil der Wissenschaftlerin, die seit ihrer Dissertation zu gemeindlichen Einvernehmen in parallelen Genehmigungs­verfahren am Beispiel des Atomrechts besonders im Umweltrecht tätig ist. Speziell ging es in der Dissertation um das „heiße Thema standortnaher Zwischenlager, also darum, wie man vermeiden kann, dass die Brennelemente dauernd in der Republik herumgefahren werden“, erklärt die Professorin.

Der Bereich ihrer Forschungen hat sich im Laufe der Zeit immer weiter ausgefächert, so dass vermehrt baurechtliche Planungsprozesse und Infrastrukturplanung hinzukamen. S 21 eigne sich innerhalb einer Vorlesung zum Partizipationsrecht sehr gut als Anschauungsobjekt für die Studierenden.

Ein weites juristisches Feld

„In jüngerer Zeit habe ich auch das Energierecht dazu genommen“, zählt Winkler ihre weitverzweigten Forschungsbereiche auf. „Beim Energierecht geht es auch um Infrastrukturprojekte, man denke nur an Stromtrassen.“

Die Energiewende und damit einhergehend die Transformation der Energieversorgungseinrichtung seien Forschungsfelder, die neben der rechtlichen natürlich auch die technische, ökonomische und politikwissenschaftliche Betrachtungsweise verlangten.

Die Professorin, die in Tübingen zum Thema „Staatlichkeit und Individualität“ habilitierte, ist aber auch im Risikorecht und im Bereich der Risikoregulierung zuhause. Dazu gehören neben Atomkraftwerken und Energieversorgung auch die Forschungsfelder Grüne Gentechnik. Entscheidungen wie die zum Einsatz oder Nichteinsatz von Glyphosat betreffen ihr Forschungsfeld und dabei die Internationalisierung der Risikobewältigung.

Viele interdisziplinäre Anknüpfungspunkte

„Die Universität Stuttgart ist ein guter Nährboden für interdisziplinäre Anbindungen“, freut sich Winkler und verweist auf erste Anknüpfungspunkte mit den Ökonomen. Genauso kann sie sich vorstellen, mit den Politologen beim Thema Partizipation zusammenzuarbeiten. Risikorecht wiederum passe gut mit der Soziologie zusammen. Ihr derzeitiger Eindruck: „Es gibt in vielerlei Hinsicht Anknüpfungspunkte, die sich bestimmt weiterentwickeln lassen.“ Auch die Themen Umwelttechnik und Energie leben sehr stark davon, dass man sich in unterschiedlichster Richtung austauscht.

Theorie und Praxis

Risikorecht, Planung und Partizipation – Winkler behandelt die aktuellen Themen der Zeit. Die sind nicht selten grenzüberschreitend, betreffen damit deutsches und europäisches Recht. Beispiel Stromtrassen oder Windparks. Keiner will sie vor der eigenen Haustür. Da geht es dann um die Frage: Gibt es Möglichkeiten, dass man durch Einbindung der Öffentlichkeit eine größere Akzeptanz erzielen kann? „Es sind noch viele offene Fragen, derzeit wird vieles nur vermutet“, beschreibt Winkler die schwierige aktuelle Situation und betont, in der Öffentlichkeitsbeteiligung gebe es noch viel Raum zur Weiterentwicklung.

Gerade im Bereich Regulierungsrecht kann sich Winkler auch eine Vortragsreihe vorstellen für die Studierenden und gleichzeitig auch für die Öffentlichkeit. „Das sind sehr komplexe Themenbereiche, bei denen ein berechtigtes Interesse besteht, mal einen Überblick zu bekommen.“ Den möchte die Wissenschaftlerin gerne liefern und hat schon konkrete Vorstellungen. „Wenn man da noch einige Experten zu Wort kommen lässt, gerade Rechtsanwälte, die aus einer gewissen praktischen Perspektive berichten können, ist das sicherlich hilfreich.“

Pendlerdasein der Kinder zuliebe

Derzeit ist der Familiensitz in Frankfurt. Auch Winklers Mann ist Wissenschaftler: „Wir haben es noch nie geschafft, gleichzeitig an einer Uni zu sein“, lacht sie. Ein Umzug hierher sei nur eine Frage der Zeit. Nach ihrer Zeit in Tübingen sei Stuttgart fast so etwas wie eine Rückkehr. „Die hiesige Gegend hat mir schon immer gefallen.“

Prof.

Daniela Winkler

Leiterin der Abteilung für Rechtswissenschaft des Instituts für Volkswirtschaftslehre und Recht