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Vorlesungsaufzeichnung hilfreich für besseres Verständnis

Wenig Aufwand - großer Nutzen

Er zählt mit zu den Pionieren – Prof. Ewald Krämer vom Institut für Aerodynamik und Gasdynamik der Universität Stuttgart lässt schon seit dem Sommersemester 2015 seine Vorlesungen aufzeichnen. Um es gleich vorwegzusagen: Der Professor steht nicht vor leeren Hörsaalreihen. Die Pflichtvorlesungen Strömungslehre I und II im Bachelor-Studiengang Luft- und Raumfahrttechnik sind gut besucht.

 (c) Kovalenko

Aufzeichnung hilfreich für besseres Verständnis

„Es kommen so viele Studierende wie immer in die Vorlesung, und die Rückmeldungen zu den Vorlesungsaufzeichnungen sind durchweg sehr positiv“, erzählt Ewald Krämer, der speziell das Aufzeichnen von Vorlesungen mit großer Teilnehmerzahl als sinnvoll erachtet. Wer eine Vorlesung versäumt, muss sich den Stoff nicht mehr allein anhand von Buch und Skript erarbeiten. Weit wichtiger scheint für die Studierenden allerdings der Aspekt, dass sie so die Vorlesung besser nachbereiten können. 

Speziell bei der Prüfungsvorbereitung, wenn man den Stoff noch einmal genauer hinterfrage, betonen Myles Zabel und Gregor Müller von der Fachschaft Luft- und Raumfahrttechnik, seien die Aufzeichnungen überaus hilfreich für ein besseres Verständnis. Besonders jenen Studierenden kommt das entgegen, die sich auf eine Wiederholungsklausur vorbereiten, die zugehörige Vorlesung jedoch aufgrund des aktuellen Vorlesungsplans meist nicht erneut besuchen können. Auch Menschen mit Behinderung profitieren davon, eine Vorlesung von Zuhause aus mitverfolgen zu können oder Eltern, wenn etwa die Kinderbetreuung ausfällt, ergänzt Jacques Fritze von der Studierendenvertretung stuvus. Er verweist auch auf Studierende, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, die sich bei Verständnisproblemen die Vorlesung mehrmals anschauen können.

Über ein Touchpanel kann die Aufzeichung ganz einfach gestartet werden. (c) Kovalenko
Über ein Touchpanel kann die Aufzeichung ganz einfach gestartet werden.

Relativ einfaches Prozedere

So manche „Kinderkrankheit“ hat Ewald Krämer zu Beginn der Vorlesungsaufzeichnungen bei Technik und Ablauf mit ausgestanden. Inzwischen kann er sagen: „Mit relativ wenig Mehraufwand kann man den Studierenden damit sehr helfen, man erspart sich auch die eine oder andere Nachfrage – und zu 90 Prozent läuft jetzt alles.“ Das Prozedere ist relativ einfach: Bei den Technischen Informations- und Kommunikationsdiensten der Uni (TIK) melden Interessierte ihr Vorhaben an. Auf den Online-Seiten findet sich dort ein Antrag für Veranstaltungsauf-zeichnungen. Die Mitarbeitenden des TIK sorgen dafür, dass die geeigneten Geräte im Hörsaal zur Verfügung stehen, und führen die Lehrenden in die Technik ein. Je nach Ausstattung des Hörsaals muss schließlich nur zu Beginn und Ende der Vorlesung der „Aufnahmeknopf“ gedrückt werden. Bevor die Aufzeichnung über das e-Learning Portal ILIAS der jeweiligen Studierendengruppe online zur Verfügung gestellt wird, können die Lehrenden ihre Vorlesung nochmals anschauen. Es ist möglich, Anfang- und Endpunkt der Aufzeichnung festzulegen – und es steht den Dozenten auch frei, gegebenenfalls auf die Veröffentlichung zu verzichten.

Man müsse vielleicht noch etwas mehr drauf achten, was man sagt, sich eine flapsige Aussage zweimal überlegen, merkt Ewald Krämer an. Die Aufzeichnung kann im Nachhinein nicht bearbeitet werden, und im Gegensatz zu einer „normalen Vorlesung“ ist eben alles dokumentiert, was einmal gesagt wurde. Den Lehrenden eröffne sich damit auch eine gute Selbstkontrolle, ob die Vorlesung logisch aufgebaut ist, die Erklärungen verständlich sind, meint Jacques Fritze. Wer befürchtet, vor der Kamera kein gutes Bild zu machen, kann allerdings beruhigt sein: Weder Studierende noch Lehrende sind automatisch auf der Aufzeichnung zu sehen. Die Kamera, die Tafelanschrieb und Lehrperson zeigt, ist optional zuschaltbar und ergänzt die Aufzeichnung der Stimme der Dozentin oder des Dozenten, die Powerpoint-Präsentation, ggf. Videoaufnahmen von Experimenten und die Aufschriebe auf dem Visualizer.Dieser eignet sich auch für die Präsentation von Kopien und stellt eine gute Alternative zum Tafelanschrieb dar.

 

Achtung Aufnahme

Sinnvoll sei es vielleicht auch noch, ergänzt Ewald Krämer, die Vorlesungsunterlagen hinsichtlich des verwendeten Bildmaterials durchzuschauen, um gegebenenfalls Rechte und Quellen abzuklären – was eigentlich auch unabhängig von einer Aufzeichnung erfolgen sollte. Damit wäre dann aber die Arbeit so gut wie komplett, die er auf jene Kolleginnen und Kollegen zukommen sieht, die sich für die Aufzeichnung ihrer Vorlesung entscheiden. Für die Mitarbeiter im TIK hofft er auf personelle Unterstützung, wenn tatsächlich mehr Aufzeichnungen nachgefragt werden. Und die Studierenden? Die haben schon ein Auge darauf, dass es mit der Aufnahme klappt. Ewald Krämer erinnert sich: „Am Ende einer Vorlesung, zu deren Beginn ich den Aufnahmeknopf erst spät gedrückt hatte, kam ein Student auf mich zu und bat mich, bei der nächsten Vorlesung doch unbedingt rechtzeitig die Aufnahme zu starten, da er gerade an jenem Tag nicht kommen könne, aber nichts verpassen wolle.“

Anleitung zur Veranstaltungsaufzeichnung vom TIK

Prof.

Ewald Krämer

Leiter des Instituts für Aerodynamik und Gasdynamik