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Diversity an der Universität Stuttgart

Barrieren überwinden

Welche Chancen bietet die Inklusion?

Inhaltlich verant­wortlich für die Ver­anstaltung waren die Beauf­tragte für Studierende mit Be­hinderung und chronischen Er­krankungen, der AK Barriere­freier Campus, die Abteilung Personal­ent­wicklung und das Gleich­stellungs­referat.

Inklusion für behinderte und chronisch kranke Menschen, wie geht das im universitären Umfeld? Ende  November wurde darüber an der Universität Stuttgart im Rahmen der Veranstaltung „Barrieren überwinden: Welche Chancen bietet uns die Inklusion“ engagiert diskutiert. Die Veranstaltung war Teil einer Reihe von Aktivitäten des Sozialministeriums, das einen Aktionsplan für die UN-Behindertenrechtskonvention erstellt hat und damit für das Thema Inklusion sensibilisieren will. Die Moderation übernahm  Dr. Kathrin Silber von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart.

„Wir haben an der Universität Stuttgart nicht auf Impulse von außen gewartet“, sagte die Kanzlerin Dr. Bettina Buhlmann in ihrem Grußwort. Mit der Frage, wie man die Arbeitsbedingungen der geschätzt rund 180 behinderten Mitarbeitenden und 3.000 Studierenden mit Behinderung und chronischer Erkrankung an der Universität Stuttgart verbessern kann, beschäftige man sich schon seit Längerem. Ziel sei dabei nicht nur, Bestehendes zu verändern. Bereits bei der Planung von Lebens- und Arbeitswelten gelte es, die Belange Behinderter zu berücksichtigen, um ihnen einen selbstbestimmten Zugang zu allen Lebensbereichen zu eröffnen.

„Hinkommen, Reinkommen, Klarkommen“ – mit drei Schlagworten brachte Stephanie Aeffner auf den Punkt, was Grundvoraussetzung für eine gelingende Inklusion ist. Die Landesbehindertenbeauftragte betonte in ihrem Impulsvortrag „Inklusion an der Hochschule – Auftrag an Lehrende, Studierende, Verwaltung sowie (Hochschul-) Politik“, dass es sich bei der Behindertenrechtskonvention nicht um Sonderrechte handle, sondern es vielmehr darum gehe, allen die Teilhabe am gemeinschaftlichen Leben zu ermöglichen. 

Sie machte die Anwesenden darauf aufmerksam, dass Barrierefreiheit weit mehr bedeute als etwa Aufzüge für Menschen im Rollstuhl und Leitsysteme für Sehbehinderte. Wie etwa können Autisten in den Unialltag mit vollen Hörsälen integriert werden, wenn sie diese Menschenmengen scheuen, oder welche Hilfe gibt es für blinde Studierende, die bei Vorlesungen nur das gesprochene Wort mitverfolgen können, nicht aber die Präsentation?

Die Landesbehindertenbeauftragte Stephanie Aeffner hielt einen Impulsvortrag zum Thema Inklusion an der Hochschule. (c) Kovalenko
Die Landesbehindertenbeauftragte Stephanie Aeffner hielt einen Impulsvortrag zum Thema Inklusion an der Hochschule.

Inklusion als Haltung verstehen

An der Universität Zürich vermittelt die Fachstelle Studium und Behinderung zwischen den Bedürfnissen und Anforderungen von Menschen mit Behinderung und den Studienanforderungen bzw. Arbeitsbedingungen. Dr. Olga Meier-Popa hatte bis 2016 die Leitung der Fachstelle inne und hat dort rund 1.000 Studierende betreut – gut die Hälfte davon sei chronisch krank gewesen. „Den meisten Betroffenen sieht man ihre Beeinträchtigung nicht an“, betonte Meier-Popa in ihrem Vortrag und wies auf ein großes Problem hin: „Viele versuchen zu lange ohne Hilfe klarzukommen, wenden sich an die Fachstelle erst, wenn es zu spät ist und sie keinen Nachteilsausgleich mehr beantragen können." Inklusion, das sei als Haltung, als Modus der Interaktion untereinander zu verstehen, schloss Olga Meier-Popa.

„Die ganze Uni ist aktiv.“

Zum Quintett derjenigen, die an der Universität Stuttgart den expliziten Auftrag haben, die Inklusion voranzubringen, zählt der Arbeitskreis Barrierefreier Campus, der Inklusions-Beauftragte des Arbeitgebers, die Vertretung schwerbehinderter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und das Dezernat VI Technik und Bauten. Sigrid Eicken, die Beauftragte für Studierende mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen, verkündete erfreut: „Die ganze Uni ist aktiv.“ Stellvertretend für den Arbeitskreis Barrierefreiheit berichtete sie von der systematischen Bestandserhebung auf dem Campus – teils mittels einer Online-Befragung seit September 2016, teils mit Studierenden des Instituts für Wohnen und Entwerfen. Alle Informationen fließen in den im Aufbau befindlichen interaktiven Online-Campusplan ein.

Zu den angestoßenen oder umgesetzten Dingen an der Uni Stuttgart für Studierende und Mitarbeitende mit Behinderung zählen zum Beispiel Übertragungssysteme für Hörbehinderte in Hörsälen und Plätze mit Tischen für Rollstuhlfahrer, ein Blindenleitsystem und Ruheräume. Eine geplante Fortbildung für das Dezernat VI zum barrierefreien Bauen wird mit viel Zuspruch erwartet. Weitere zielgruppenspezifische Fortbildungen sind geplant, wie auch eine ständige Erweiterung der Informationen im Internet. Beim Blick in die Zukunft sprach Sigrid Eicken über den Ausbau des Angebots von Lernformen, über barrierefreie Formulare, und Veranstaltungsangebote für behinderte Studierende. „Es gibt noch viel zu tun“, betonte Eicken und motivierte die Anwesenden: „Ihre Unterstützung ist willkommen!“