Erste Orientierung im Pflegefall

Neu an der Uni: Pflegelotsinnen

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Vorsorgevollmacht und Patienten­ver­fügung
Notfälle sind nicht vor­hersehbar. Doch vor­bereiten kann man sich trotzdem. "Denken Sie an eine Vorsorge­voll­macht und eine Pa­tienten­ver­fügung für sich selbst und be­sprechen Sie dieses Thema auch mit Ihren nahen Ange­hörigen", raten die Pflege­lotsinnen.

Ein Anruf vom Krankenhaus, der Vater hat einen Schlaganfall. Das ist eine Situation, in der vieles auf einen einstürmt: Angst, Sorge, Hilflosigkeit. Gleichzeitig gibt es einiges zu organisieren. Doch oft weiß man nicht, an wen man sich wenden muss und was zu beachten ist. Für solche Fälle gibt es seit Oktober an der Universität Stuttgart zwei Pflegelotsinnen. Übernommen haben diese Funktion Edeltraut Walla, die Beauftragte für Chancengleichheit, und ihre Vertreterin, Edith Demuth. Sie stehen für Fragen rund um das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Pflegeverantwortung zur Verfügung.

Viele Fragen müssen geklärt werden: Braucht der Vater einen Pflegeplatz in einem Heim oder kann ich eine häusliche Pflege organisieren? Wer kann mir Pflegeplätze vermitteln, was kann ich oder jemand anderes aus der Familie selbst übernehmen?

Hilfe für die ersten Schritte
Edeltraud Walla: „Wir können bei den ersten Schritten helfen und erklären, wo es  weiterführende Beratungsangebote und Anlaufstellen vor Ort gibt. Wichtige Anlaufpunkte sind zum Beispiel die Pflegestützpunkte in den Landratsämtern. Auch über die gesetzlichen Rahmenbedingungen informieren wir.“

Neuerungen beim Pflegezeitgesetz
In verschiedenen Fortbildungen haben sich die beiden Pflegelotsinnen unter anderem mit dem Pflegezeitgesetz beschäftigt. „Hier gibt es seit Januar 2017 einige Neuerungen“, berichtet Edith Demuth, „insgesamt möchte der Gesetzgeber die häusliche Pflege mehr unterstützen.“ Sie weist auf die sogenannte kurzzeitige Arbeitsverhinderung hin: Ein pflegender Angehöriger hat Anspruch darauf, zehn Tage im Jahr im Notfall sofort frei zunehmen, um sich um den Angehörigen und die weitere Organisation der Pflege zu kümmern. Für diese Zeit wird allerdings kein Gehalt ausgezahlt. Betroffene können stattdessen Pflegeunterstützungsgeld bei der Pflegekasse beantragen, dies beträgt 90 Prozent des Nettogehaltes. Angehörige, für die dies in Anspruch genommen werden kann, sind zum Beispiel Ehepartner oder Partner in eheähnlichen Gemeinschaften, Eltern, Großeltern, Geschwister und Kinder.

Beratung ist vertraulich
„Wir können Betroffene auch bei der Entscheidung, ob Pflege zu Hause stattfinden kann oder ein Pflegeplatz gefunden werden muss, beraten. Die Entscheidung abnehmen, können wir natürlich nicht. Selbstverständlich sind unsere Beratungen vertraulich“, erklären die Pflegelotsinnen. „Auch rechtsverbindliche Auskünfte dürfen wir nicht erteilen. Diese gibt es bei der Pflegekasse oder der Rentenversicherung.“

Arbeitsreduzierung für die Pflege
Wenn man längere Zeit selbst die Pflege übernehmen möchte, kann man sich bis zu sechs Monate von der Arbeit freistellen lassen oder bis zu zwei Jahre seine Arbeitszeit reduzieren auf bis zu 15 Stunden pro Woche. Um diese Zeit finanziell zu überbrücken, ist es möglich, ein Darlehen zu beantragen. Oft übernehmen immer noch Frauen die Aufgabe der Pflege. Doch Edeltraud Walla warnt, man müsse daran denken, dass ein längerer Ausfall der Arbeit oder die Arbeitsreduzierung auch Ausfälle bei der Rente bedeuten.

Viel Unterstützung für das Projekt
Die Idee zu den Pflegelotsinnen bekam Edeltraud Walla von einer Kollegin der Universität in Heidelberg, dort gibt es eine vergleichbare Stelle. Bei Uni-Kanzlerin Dr. Bettina Buhlmann stieß Walla damit sofort auf offene Ohren. Auch von vielen weiteren Stellen der Universität wurde die Idee sehr positiv aufgenommen. Zuständig sind die Pflegelotsinnen nicht nur für die Beschäftigten, sondern auch für Studierende. Noch befindet sich das Projekt in einer Pilotphase für die Dauer von einem Jahr. Bis Oktober 2017 soll so der Bedarf an der Universität eingeschätzt werden.

Kontakt

 

Edeltraud Walla

Beauftragte für Chancengleichheit, Pflegelotsin

 

Edith Demuth

Vertretung der Beauftragten für Chancengleichheit, Pflegelotsin

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