Prof. Nicole Radde ist seit dem 1. Oktober die neue Gleichstellungsbeauftragte der Universität Stuttgart.

Stabübergabe der Gleichstellungs­beauftragten

Prof. Nicole Radde ist seit dem 1. Oktober 2017 Gleichstellungsbeauftragte der Universität Stuttgart.

Dr. Gabriele Hardtmann blickt auf neun erfolgreiche Jahre als Gleichstellungsbeauftragte der Universität Stuttgart zurück. Darüber hinaus war sie zunächst im Institut für Polymerchemie in der Fakultät Chemie als akademische Direktorin tätig und wechselte dann 2012 in das neugegründete Rektoratsbüro. Am 30. September endete ihr Amt als Gleichstellungsbeauftragte und bald darauf auch ihre anderen Aufgaben. Seit dem 1. Oktober ist Prof. Nicole Radde die neue Gleichstellungsbeauftragte.

Uni-Rektor Prof. Wolfram Ressel dankt Dr. Gabriele Hardtmann: „Frau Dr. Hardtmann hat ihr Amt mit großem Engagement ausgefüllt und hat an der Universität viel in Bewegung gesetzt. Ich freue mich, dass Frau Prof. Nicole Radde diese wichtige Aufgabe übernimmt und weiterführt.“

Als wichtigen Meilenstein, der auch einen Bewusstseinswandel herbeiführte, bezeichnet Hardtmann, dass bei Forschungsanträgen, wie z.B. der DFG, Genderaspekte integriert sein müssen. Auch die erfolgreich eingeworbenen Mittel im Rahmen der Leistungsbezogenen Mittelvergabe (LOM) zwischen den Universitäten im Land haben gezeigt, dass „Gleichstellung nicht nur Geld kostet, sondern auch Geld herein bringt“.

„An der Uni hat sich etwas bewegt. Die Atmosphäre hat sich geändert“, so Hardtmann, „denn schließlich wird ein höherer Frauenanteil auf allen Qualifikationsstufen angestrebt – angefangen von der DFG über den Wissenschaftsrat bis hin zu den Unternehmen und der Politik.“

Dr. Gabriele Hardtmann war neun Jahre lang Gleichstellungsbeauftragte der Universität Stuttgart. (c) Regenscheit
Dr. Gabriele Hardtmann war neun Jahre lang Gleichstellungsbeauftragte der Universität Stuttgart.

Gleichstellung als Chefsache

Besondere Bedeutung habe es auch gehabt, dass Uni-Rektor Prof. Wolfram Ressel zu Beginn seiner Amtszeit die Gleichstellung zur Chefsache erklärt hat. Auch in den Fakultäten habe sich mittlerweile ein Wandel vollzogen. „Als ich 2008 begann, wurde von einigen Professoren noch der Sinn und Zweck des „Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG)“ hinterfragt“, erinnert sich die scheidende Gleichstellungsbeauftragte.

„Trotzdem gibt es noch viel zu tun“, sind sich Dr. Gabriele Hardtmann und Prof. Nicole Radde einig. Im Mittelbau und bei den Promotionen den Frauenanteil zu erhöhen, seien wichtige Ziele. Auch dass nur 15 Prozent der Professuren von Frauen besetzt sind, ist beiden zu wenig, obwohl in den letzten Jahren viele Professuren mit Frauen besetzt wurden. Es geht einfach noch zu langsam.

Beteiligung am Berufungsverfahren als wichtige Aufgabe

Für das Erreichen dieser Ziele ist die Einbeziehung der Gleichstellungsbeauftragten bei den Berufungsverfahren von großer Bedeutung. Nicole Radde erklärt: „Es ist wichtig, neben der wissenschaftlichen Qualität auch auf andere Qualitätsmerkmale zu achten. Familienarbeit müsste noch mehr wertgeschätzt werden, sie setzt z.B. ein hohes Organisationstalent voraus. Allerdings sind für Menschen mit Familie häufige Auslandsaufenthalte schwierig zu verwirklichen und deren Publikationslisten meist nicht so lang.“

Elternzeit muss bei Bewertung einbezogen werden

Lobend nennen beide die DFG als Beispiel, hier wird bei der Bewertung der Anzahl der Publikationen auch die Elternzeit mit einbezogen. Schön finden beide auch, dass die Teilnahme an Landesprogrammen, wie dem Margarete von Wrangell-Habilitationsprogramm und dem Brigitte-Schlieben-Lange-Programm, mittlerweile echte Qualitätsmerkmale bei Berufungen geworden seien. Aufgrund der zwölf neuen Professuren, die durch das Tenure-Track-Programm finanziert werden, hofft Radde auf die Möglichkeit, noch mehr Professuren mit Frauen zu besetzen.  

Promotionsprogramme fördern Anstieg von promovierenden Frauen

Ein Mittel um den Anteil der promovierenden Frauen zu erhöhen, sei die Schaffung von strukturierten Promotionsprogrammen, so die neue Gleichstellungsbeauftragte. „Sicherheit und Planbarkeit ist für Frauen oft ein wichtigeres Thema als für Männer. Promotionsprogramme können dies bieten. In den Bereichen, in denen es diese Programme gibt, sehen wir einen Anstieg.“

Im Rückblick auf ihre Amtszeit erklärt Dr. Gabriele Hardtmann stolz: „Wir haben viel erreicht“ und zählt Erfolge auf – vom Mentoringprogramm, dem Professorinnenprogramm über das Genderkonzept und den Genderbeirat bis zum Projekt „Probiert die Uni aus“. Auch die Angebote zur Kinderbetreuung, die Ferienprogramme und die künftige MINT-Kita seien ein großer Schritt. Hardtmann betont, wie wichtig für ihre Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte auch die Unterstützung durch das ihr zugeordnete Team des Gleichstellungsreferats ist.

Die neue Gleichstellungsbeauftragte an der Universität Stuttgart: Prof. Nicole Radde. (c) Martin Stollberg/Universität Stuttgart
Die neue Gleichstellungsbeauftragte an der Universität Stuttgart: Prof. Nicole Radde.

Prof. Nicole Radde erforscht am Institut für Systemtheorie und Regelungstechnik Mechanismen interzellulärer Regulations- und Signalprozesse und ist Mitglied des Exzellenzclusters SimTech. Die promovierte Mathematikerin ist kein Neuling im Bereich Gleichstellung. Schon seit drei Jahren ist sie Gleichstellungsbeauftragte an der Fakultät 7 Konstruktions-, Produktions- und Fahrzeugtechnik. Was allerdings uniweit alles zum Thema Gleichstellung geschieht, darüber verschafft sie sich zur Zeit einen Überblick. „Ich freue mich auf die neue Aufgabe“, sagt Nicole Radde.

Argumentation aus Sicht der Wissenschaft

„Ich habe das Amt der Gleichstellungsbeauftragten übernommen, weil ich selbst erfahren habe, wie wichtig strukturierte Angebote sein können. Bei SimTech habe ich viel Positives erfahren. Und ich kann aus Sicht der Wissenschaft argumentieren. Zudem ist für mich persönlich Vereinbarkeit von Beruf und Familie von großer Bedeutung.“ Die 40-jährige weiß, wovon sie spricht. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Ihre wissenschaftliche Karriere möchte sie nicht vernachlässigen. „Einfach wird es manchmal sicher nicht sein“, vermutet Radde. Um wenigstens den Zeitverlust zwischen Vaihingen und Stuttgart-Stadtmitte gering zu halten, plant sie attraktive Angebote wie Stadtmobil oder Car-to-go zu nutzen. Zu Beginn ihrer Amtszeit möchte sich Prof. Nicole Radde bei den verschiedenen Fakultäten der Universität vorstellen.

 „Viel Kraft, Energie und Stehvermögen und dass sie genauso unterstützt wird wie ich“, erhofft Gabriele Hardtmann für ihre Nachfolgerin und fügt hinzu „und nicht zuletzt wünsche ich ihr genauso viel Spaß, wie es mir gemacht hat.“

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Prof. Dr.

Nicole Radde

Gleichstellungsbeauftragte

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