Die Preisträgerinnen und Preisträger des Forschungstags 2018.

Video zum Forschungstag 2018

Hervorragende Forschungsvorhaben in unterschiedlichsten Disziplinen - Die Universität hat erstmalig Publikationspreise verliehen. Impressionen davon gibt es im Video.

Beim ersten Forschungstag der Universität im Januar zeichnete Professor Thomas Ertl, Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs, acht besonders herausragende Publikationen aus unterschiedlichen Fakultäten mit dem erstmalig verliehenen Publikationspreis der Universität aus. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert.

Prof. Thomas Ertl, Prorektor für Forschung und Wissenschaftlichen Nachwuchs. (c)
Prof. Thomas Ertl, Prorektor für Forschung und Wissenschaftlichen Nachwuchs.

„Mit dem Forschungstag wollen wir Erfolg honorieren und die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler motivieren“, begründet Ertl die Veranstaltung. Er betont, dass die Bedeutung der Publikationen in der Wissenschaft deutlich zugenommen habe. Ein weiteres Ziel der Veranstaltung ist die interdisziplinäre Vernetzung, wobei die verschiedenen Fakultäten und deren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen Überblick über Forschungsthemen innerhalb der Universität erhalten.

Höhepunkt des Forschungstags waren die Präsentationen der Preisträgerinnen und Preisträger zu ihren Publikationen. Science-Slam, Requisiten oder animierten Grafiken: In nur fünf Minuten berichteten die Referenten den rund 130 Anwesenden unterhaltsam und verständlich von ihrem Thema. So diente zum Beispiel ein neu erfundenes Emoticon zur Verdeutlichung der Probleme bei einer 3D-Ortung und ein faltbarer Frisbee als Erklärungshilfe für die Verformung von Schalen.

Impressionen vom Forschungstag 2018

© Universität Stuttgart | Quelle: YouTube

Die Preisträgerinnen und Preisträger

Dr. Magdalena Nieslony (c)
Dr. Magdalena Nieslony

Fakultät 9: Philosophisch-Historische Fakultät

Ausgezeichnete Publikation: Bedingtheit der Malerei - Ivan Puni und die moderne Bildkritik. Neue Frankfurter Forschungen zur Kunst. Band 17. 2016.

„Wo der Hammer hängt“ ist der Vortragstitel von Nieslony, die am Beispiel von Punis Bild „Relief mit Hammer“ den Aspekt der Zweckentfremdung in dessen Werken erklärt. Der bildlich dargestellte Hammer ist bei genauerer Betrachtung als Werkzeug unbrauchbar, wodurch die Diskrepanz von Realität und der Freiheit des im Bild Dargestellten deutlich wird.

v.l.n.r.: Prof. Manfred Berroth (Dekan Fakultät 5), Preisträger Prof. Stefan Funke, Prof. Thomas Ertl (c)
v.l.n.r.: Prof. Manfred Berroth (Dekan Fakultät 5), Preisträger Prof. Stefan Funke, Prof. Thomas Ertl

Fakultät 5: Informatik, Elektrotechnik und Informationstechnik

Ausgezeichnete Publikation: On k-Path Covers and their applications. VLDB Journal 25 (2016), pp 103-123.

Anhand eines Straßennetzes erklärt Funke den Inhalt der prämierten Publikation: Ein Straßennetz besteht letztlich aus vielen vernetzten Graphen. Mit dem Verfahren k-Paths-Covers ist es möglich, bei der Routenplanung individuelle Präferenzen anzugeben. Mit Hinblick auf Elektrofahrzeuge könnten die Nutzer künftig zum Beispiel den energiesparendsten Weg wählen.

Preisträger Moritz Dörstelmann (links) und James Solly (Fakultät 1) (c)
Preisträger Moritz Dörstelmann (links) und James Solly (Fakultät 1)

Fakultät 1: Architektur und Stadtplanung

Ausgezeichnete Publikation: Elytra Filament Pavilion: Robotic Filament Winding for Structural Composite Building Systems, in Fabricate – Rethinking Design and Construction [Proceedings of the Fabricate Conference 2017, Stuttgart], UCL Press, London, pp. 224-233. (Digital ISBN 978 1 78735 001 4) / http://www.jstor.org/stable/j.ctt1n7qkg7.35

Der Elytra Filament Pavilion ist das Ergebnis einer vierjährigen Forschung zur Integration von Architektur, Ingenieurbau und bionischen Prinzipien. Vorbilder für den Pavillon sind Käfer, genauer gesagt die Faserverbundstruktur von Deckflügeln flugfähiger Käfer, den sogenannten Elytren. Ein Roboter hat die Komponenten des Pavillon mit einem neuartigen Wickelverfahren an der Universität Stuttgart gefertigt.
Eine besondere Herausforderung war es, diese Konstruktion in die Umgebung des Victoria and Albert Museum in London einzufügen, berichten Dörstelmann und Solly. Dort war der Pavillon im Sommer 2017 zwischen den alten Gebäudemauern ausgestellt.

Prof. Thomas Ertl und Preisträgerin Clarissa Dietrich (Fakultät 3) (c)
Prof. Thomas Ertl und Preisträgerin Clarissa Dietrich (Fakultät 3)

Fakultät 3: Chemie

Ausgezeichnete Publikation: Chirality detection using nematic liquid crystal droplets on anisotropic surfaces, Langmuir, 2016, 32 (24), pp 6140-6147.

Mit der in der Veröffentlichung dargestellten Methode können auf einfache Art und Weise kleinste Mengen an chiraler Substanz nachgewiesen werden. Chiralität ist eine Eigenschaft eines Objekts, bei der das Spiegelbild durch Drehung nicht mit dem Original zur Deckung gebracht werden kann, das Objekt folglich keine Drehspiegelachse besitzt. Für dieses Phänomen gibt es verschiedene Beispiele in der Natur, wie linksgewundene oder rechtsgewundene Schneckenhäuser.
In der Chemie ist es oft schwierig zu bestimmen, welches Molekül welche Chiralität hat. Ein Fall, in dem es einen sehr großen Unterschied machte, ist das Contergan. Die Substanz mit der einen Chiralität hatte eine schädigende Wirkung für Föten.

Preisträger Lorenz Schmitt (Fakultät 6) (c)
Preisträger Lorenz Schmitt (Fakultät 6)

Fakultät 6: Luft- und Raumfahrttechnik und Geodäsie

Ausgezeichnete Publikation: Continuous Singularity Free Approach to the Three-Dimensional Bearings-Only Tracking Problem, Journal of Guidance, Control and Dynamics, 2016, 3, pp. 2673-3682, 10.2514/1.G000362.

Mit einem Schoko-Softeis-Emoticon beschreibt Schmitt in seinem Science-Slam das Problem, für welches in der Publikation eine Lösung erarbeitet wurde: Die dreidimensionale Zustandspeilung soll auch am Zenit korrekt sein. Oder aus Sicht des Emoticons: Befindet sich das Softeis auf der Erdkugel ganz im Norden, darf es nicht gequetscht und verzerrt gemessen werden, die Messverteilung muss stimmen.

v.l.n.r.: Prof. Rohde (Dekan Faktultät 8), Fabian Böttcher, Prof. Thomas Ertl, Matthias Schmitt und Matthias Wenzel (c)
v.l.n.r.: Prof. Rohde (Dekan Faktultät 8), Fabian Böttcher, Prof. Thomas Ertl, Matthias Schmitt und Matthias Wenzel

Fakultät 8: Mathematik und Physik

Ausgezeichnete Publikation: Self-bound droplets of a dilute magnetic quantum liquid, Nature 539, 259 (2016), doi 10.1038/nature20126.

Matthias Schmitt hatte sich zu seinem Vortrag ausnahmsweise Regenwetter gewünscht, denn die ausgezeichnete Publikation thematisiert Quantentröpfchen und speziell deren Verhalten und Tropfendynamik. Wie bei einem Regentropfen ändern auch Quantentröpfchen ihren Zustand, zum Beispiel von gasförmig zu flüssig. Den Wissenschaftler ist es gelungen, aus einen Quantengas verdünnte Flüssigkeit zu erzeugen, die im Vergleich zu Wasser 100 Millionen Mal kälter und dünner ist. Es gelang sogar, Tropfen dieser Flüssigkeit zu erzeugen und schwebend zu beobachten. Erstmals kann man somit von einer Flüssigkeit aus ultrakalten Atomen sprechen.

Preisträgerin Prof. Cathleen Kantner (Fakultät 10) (c)
Preisträgerin Prof. Cathleen Kantner (Fakultät 10)

Fakultät 10: Wirtschaft- und Sozialwissenschaften

Ausgezeichnete Publikation: War and Intervention in the Transnational Public Sphere. Problem-Solving and European Identity-Formation. London: Routledge/UACES Contemporary European Studies.

Die Globalisierung der Gesellschaft führe neben Hoffnungen auch zu einem großen Pessimismus, führt Kantner in Ihrer Publikation aus. Ein wichtiger Punkt für einen gemeinsamen europäischen Gedanken sind die transnationalen politischen Funktionen. Kantner hat mit ihrer Publikation theoretisch und methodisch Neuland betreten. Mittels einer Inhaltsanalyse hat sie über einen langen Zeitraum hinweg die mediale Berichterstattung untersucht und dabei Material gesammelt, anhand dessen weitere Fragen beantwortet werden können.

v.l.n.r.: Prof. Oliver Röhrle (Prodekan Fakultät 2), Bastian Oesterle, Prof. Thomas Ertl, Prof. Manfred Bischoff und Prof. Ekkehard Ramm (c)
v.l.n.r.: Prof. Oliver Röhrle (Prodekan Fakultät 2), Bastian Oesterle, Prof. Thomas Ertl, Prof. Manfred Bischoff und Prof. Ekkehard Ramm

Fakultät 2: Bau- und Umweltingenieurwissenschaften

Ausgezeichnete Publikation: A shear deformable, rotation free isogeometric shell formulation, Computer Methods in Applied Mechanics and Engineering 307, 2016 pp. 235-255.

„Hebt‘ das Ding?“ ist die Leitfrage der Publikation. Ziel ist es, den Spannungsverlauf dieses „Dings“ (gemeint ist eine Schale) vorherzusagen, dazu muss die exakte Geometrie berechnet werden. Das besondere an dem von den Wissenschaftlern entwickelte Verfahren ist, dass künstliche Schwingungen der Querkräfte verhindert werden. Sollten die Berechnungen nicht stimmen, demonstriert Oesterle dem Publikum mit einem zusammenfaltbaren Frisbee, was passieren wird: Das Ding klappt zusammen.

Prof. Rainer Helmig (c)
Prof. Rainer Helmig

Außerdem stellten sich zwei Forschungsverbünde der Universität Stuttgart vor. Professor Rainer Helmig referierte über den Sonderforschungsbereich 1313 mit dem Titel "Grenzflächengetriebene Mehrfeldprozesse in porösen Medien - Strömung, Transport und Deformation". Helmig fasst zusammen: „Alles ist porös.“ Ziel ist es, ein grundlegendes Verständnis darüber zu entwickeln, wie die Grenzflächen - zum Beispiel zwischen einem Fluid und einem Feststoff - Strömung, Transport und Deformation in porösen Medien beeinflussen.

Dr. Tim Langen (c)
Dr. Tim Langen

Als Teil des Elite-Programms des Landes Baden-Württemberg für Postdocs stellte Dr. Tim Langen vom Zentrum für Integrierte Quantenwissenschaften und -technologien (IQST) kalte Molekulare Gase als neue Möglichkeiten für die Quantenphysik dar [en]. Langen konzentriert sich auf die Kühlung von Molekülen mittels Laser. Dies war bisher nur mit Atomen möglich, die Laserkühlung bei Molekülen ist um ein Vielfaches komplexer. Dennoch gibt es erste Resultate.

Bei einem abschließenden Imbiss konnten die Teilnehmer fächerübergreifende Kontakte herstellen und die Vorträge Revue passieren lassen. Das Fazit für die erstmalig ausgerichtete Veranstaltung fällt durchweg positiv aus. „Die enorme Breite an Themen und Methoden hat mir an diesem Forschungstag besonders gefallen“, fasst Ertl zusammen. Die Publikationspreise sollen zukünftig jährlich vergeben werden.

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