Dieses Bild zeigt Mauern der Wände mit Hochlochziegeln (Sept 2016)

Viel Unterstützung für Begegnungsraum

Studierende realisieren Projekt für Geflüchtete und Stuttgarter Öffentlichkeit
[Foto: Hanna Müller]

Die grünen Abdeckplanen an Fenster- und Türöffnungen rascheln im kalten Wind. Auf der Baustelle ist es ruhig. Von Winterpause kann aber dennoch keine Rede sein. „Für nächste Woche sind die Fenster angekündigt“, sagt Meike Hammer. Auch am Dach werde weiter gearbeitet.

Freiwillige am Werk
Der „Begegnungsraum für Geflüchtete und Stuttgarter BürgerInnen“, der aktuell in der Breitscheidstraße in Stuttgart nahe des Uni Campus Gestalt annimmt, ist für alle Beteiligten eine Herzensangelegenheit. Seit September 2016 sind auf dieser etwas anderen Baustelle engagierte Freiwillige am Werk. Studierende der Uni Stuttgart, der Hochschule für Technik und der Staatlichen Akademie der bildenden Künste rühren Mörtel an, ziehen Ziegelwände hoch, sägen und hämmern. Mit dabei immer wieder Flüchtlinge der in direkter Nachbarschaft gelegenen Gemeinschaftsunterkünfte, „und beim Bau unterstützen uns auch Fachleute der jeweiligen Gewerke“, ergänzt Tine Teiml.

Nicht nur für die Schublade planen
Mit der Masterarbeit von Meike Hammer und Tine Teiml an der Architekturfakultät der Universität Stuttgart hat im Oktober 2015 alles angefangen. Die angehenden Architektinnen wollten nichts für die Schublade planen. Angesichts der aktuellen Flüchtlingssituation fragten sie sich, welche Hilfe sie bieten können. Eine umfangreiche Recherche, nicht zuletzt bei Flüchtlingen in einer Gemeinschaftsunterkunft in Feuerbach, ergab: in den beengten Gemeinschaftsunterkünften fehlt es an Rückzugsmöglichkeiten wie auch an einem Ort zum Austausch.

 

Mauern der Wände mit Hochlochziegeln (Sept 2016) (c) Hanna Müller
Mauern der Wände mit Hochlochziegeln (Sept 2016)

Kooperation mit Lehrveranstaltung
Aus Zeichnung und Modell ist dank vieler freiwilliger Helfer, Geld- und Sachspenden inzwischen Realität geworden. In Kooperation mit dem Institut für Baukonstruktion 1 unter der Leitung von Professor Peter Cheret und der Plattform e1nszue1ns wurde das Projekt in eine – gut nachgefragte – Lehrveranstaltung integriert, und im September 2016 konnte mit dem Bau begonnen werden. In den Semesterferien wurde an bis zu vier Tagen pro Woche gearbeitet, während des Semesters ist an zwei Tagen von acht Uhr bis zur Dunkelheit Leben auf der Baustelle. „Noch vor Weihnachten hat es mit dem Dachaufbau geklappt“, freut sich Meike Hammer, da habe das Wetter toll mitgespielt.

Raum für Gemeinschaft und Privatsphäre
Die etwas über 100 Quadratmeter gliedern sich in einen größeren, zur Straße hin orientierten Gemeinschaftsraum und einen etwas kleineren Lern- und Rückzugsraum an der Straßen abgewandten Seite. Küche, Sanitär- und Technikraum fungieren dazwischen als Trennung und Verbindung gleichermaßen. „Aktuell sind bei uns jetzt besonders Stuckateure, Elektriker, Schreiner sowie Fachleute für Sanitär- Heizungs- und Klimatechnik gefragt“, sagt Tine Teiml. Als nächste Schritte stehen nämlich die Innenarbeiten und der Verputz der Außenwände an. Im Rahmen eines Workshops sollen die in der Nachbarschaft wohnenden Geflüchteten nochmals zur Mitarbeit ermuntert werden, und wenn alles gut geht, könnte die Begegnungsstätte Ende April fertig sein.

Hilfe von allen Seiten
Von all der Hilfe, die ihnen bei Planung wie auch Ausführung ihres Projekts zuteil wurde, sind Meike Hammer und Tine Teiml, die inzwischen ihren Masterabschluss in der Tasche haben, begeistert. Fast unglaublich scheint ihnen, mit wie vielen Ämtern, Firmen und Instituten sie inzwischen Kontakt hatten. Für die Zukunft erhoffen sie sich, dass der Begegnungsraum von den Geflüchteten wie auch den Nachbarn rundum angenommen wird, sich vielleicht Studierende als Lernpaten für die Kinder finden, die Räumlichkeiten zum Treffpunkt für Events aller Art werden. Und weil bis dahin ja noch etwas Arbeit ansteht, sind freiwillige Helferinnen und Helfer und Spenden immer sehr willkommen.

Weitere Informationen
www.weltraeume-uni-stuttgart.de/aktuelles/
www.1zu1.design/

Aufstellen der Holzrahmen-Wände (Dez 2016) (c) Hanna Müller
Aufstellen der Holzrahmen-Wände (Dez 2016)

Spenden sind stets willkommen 
IBAN: DE51 6005 0101 7871 5216 87
BIC: SOLADEST600
Verwendungszweck:
1zu1,
Fonds 84020207,
Begegnungsraum