Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die standortübergreifende Forschungsgruppe „How Death and Danger Signals Dynamically Control Stage Transitions in Chronic Hepatic Disease – dangerhep“ mit 5,8 Millionen Euro für einen Zeitraum von vier Jahren (2026-2029). Die gemeinsame Forschungsgruppe der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU), des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) und der Universitäten Stuttgart, Tübingen und Dortmund will erforschen, wie chronische Leberschädigungen zu Leberkrebs führen. Ziel ist es unter anderem, neue Strategien zur Vorbeugung zu entwickeln.
Verstehen, welche Zellvorgänge Leberkrebs auslösen
Einer Leberkrebserkrankung geht in den meisten Fällen eine chronische Leberschädigung voraus. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Ausgelöst werden kann eine chronische Lebererkrankung etwa durch eine Virusinfektion wie Hepatitis, eine Fettlebererkrankung oder langjährigen Alkoholkonsum. Bislang ist es noch nicht möglich, das individuelle Krebsrisiko bei einer chronischen Lebererkrankung zuverlässig vorherzusagen. Auch eine vorbeugende medikamentöse Behandlung mit dem Ziel, die Krebserkrankung zu verhindern, ist bisher nicht verfügbar.
Hier setzt die standortübergreifende Forschungsgruppe dangerhep (Deutsch: „Die dynamische Steuerung von Stadienübergängen chronischer Lebererkrankungen durch Zelltod- und Alarmsignale“) unter der Leitung von Prof. Tom Lüdde (Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie am UKD), an. Ziel des Verbundvorhabens ist es, die bislang unzureichend verstandenen Zusammenhänge zwischen der Schädigung von Leberzellen, deren Zelltod, der daraus resultierenden chronischen Entzündung und der späteren Entstehung von Leberkrebs systematisch zu entschlüsseln. Im Mittelpunkt steht dabei der Einsatz der Zwei-Photonen-Mikroskopie, einer hochauflösenden Bildgebungsmethode, die es erstmals ermöglicht, die Schädigung und den Untergang von Leberzellen direkt im lebenden Gewebe sichtbar zu machen.
Ein besonderer Schwerpunkt der Untersuchungen besteht darin zu klären, welche entzündungsfördernden Botenstoffe beim Zelltod freigesetzt werden, welche Immunzellen dadurch aktiviert werden und wie diese Prozesse langfristig die Krebsentstehung begünstigen. Ein besseres Verständnis dieser Mechanismen soll künftig dazu beitragen, Hochrisikopatientinnen und -patienten gezielter zu überwachen und neue präventive Therapiestrategien zu entwickeln.
Stuttgarter Team untersucht Zusammenhänge zwischen Fettleibigkeit und Leberkrebs
„Unser Team untersucht im Rahmen der Forschungsgruppe, wie Signale, die vom Körperfett freigesetzt werden, die Gesundheit der Leber bei Fettleibigkeit beeinflussen. Insbesondere wollen wir verstehen, warum manche Menschen mit Fettleibigkeit eine schwere Lebererkrankung entwickeln, während andere relativ gesund bleiben“, sagt Jun.-Prof. Nieves Peltzer, Leiterin der Abteilung Genomeditierung des Instituts für Biomedizinische Genetik. Ihr interdisziplinäres Team geht der Frage nach, wie Fettzellen über Entzündungssignale und regulierte Zelltodprozesse mit der Leber kommunizieren. Ziel ist es, biologische „Warnsignale“ sowie natürliche Schutzmechanismen zu identifizieren, die den Krankheitsverlauf beeinflussen.
Die Forschenden des Instituts für Biomedizinische Genetik arbeiten mit zentralen Forschungseinrichtungen der Universität Stuttgart zusammen, darunter das Netzwerk 3R-BioMedicUS oder das Stuttgart Research Center Systems Biology (SRCSB). Das Stuttgarter Team ist eng eingebunden in das standortübergreifende Forschungsnetzwerk der neuen DFG-Gruppe dangerhep.
Strategischer Profilbereich Biomedical Systems and Robotics for Health
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Lena Jauernig
Redakteurin Wissenschaftskommunikation / Wissenschaftlicher Nachwuchs